ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2000Früherkennung: Kosten-Nutzen-Schätzung obsolet

SPEKTRUM: Leserbriefe

Früherkennung: Kosten-Nutzen-Schätzung obsolet

Dtsch Arztebl 2000; 97(21): A-1418 / B-1204 / C-1132

Lehnert, Martin

Zu dem Medizinreport „Wie das Screening erfolgreich und kostengünstig sein kann“ von Dr. med. Klaus Gebhardt und Dr. med. Markus Steinert in Heft 13/2000:
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LNSLNS Die Forderung der Autoren nach einer Aufnahme der Hautkrebsfrüherkennung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen ignoriert die entsprechenden Inhalte des Absatz 2, § 25, SGB V, der das Hautorgan explizit in die Früherkennung einbezieht. Jegliche Vorschläge bezüglich gesetzlich verankerter Leistungen zur Krebsfrüherkennung müssen sich mit dieser Vorgabe auseinander setzen – auch wenn die Akzeptanz des daraus resultierenden Angebots insbesondere bei Männern erheblich zu wünschen übrig lässt. Eine Beteiligungsrate von knapp 50 Prozent bei den Frauen und sogar nur 15 Prozent bei den Männern zeigt eines der wesentlichen Probleme des Bevölkerungsscreenings.
Aus den hier beschriebenen Kampagnen zur Prävention und Früherkennung ergeben sich keine neuen Aspekte für die Diskussion. Die dürftige, begleitende Evaluation mit mangelhafter histologischer Sicherung der Verdachtsfälle erlaubt weder eine hinreichende Bewertung der Effizienz der durchgeführten Maßnahmen noch eine tragfähige Aussage hinsichtlich der Qualität des eingesetzten Instruments. Auch wenn die Sensitivität, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Melanom auch als solches erkannt wird, bei 90 Prozent liegt, ist bei dem in der Literatur angegebenen positiven Vorhersagewert von 17 Prozent unter den 151 Verdachtsfällen kaum mit mehr als den bisher gesicherten 30 Erkrankungen zu rechnen. Damit ist die von den Autoren durchgeführte, ohnehin unvollständige Kosten-Nutzen-Abschätzung obsolet.
Dr. med. Martin Lehnert (M.san.), Epidemiologisches Krebsregister für den Regierungsbezirk Münster, Domagkstraße 3, 48149 Münster
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