ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2000Elektronischer Arztausweis: Die Plastikkarte für den Arzt hat Premiere

POLITIK: Aktuell

Elektronischer Arztausweis: Die Plastikkarte für den Arzt hat Premiere

Dtsch Arztebl 2000; 97(21): A-1429 / B-1213 / C-1141

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Im Rahmen eines regionalen Vernetzungsprojekts
wird der kürzlich von den ärztlichen Körperschaften abgesegnete elektronische Arztausweis erprobt.

Anfang Mai 2000 hat die Ärztekammer Westfalen-Lippe damit begonnen, den elektronischen Arztausweis im Rahmen eines Pilotprojektes zu testen. Der Ausweis soll künftig bundesweit den bisher verwendeten blauen Papierausweis ablösen. Als erste der Health Professional Cards war die „Ausweis- und Funktionskarte für den Arzt“ 1999 nach den Vorgaben der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung spezifiziert worden.
Inzwischen sind Testversionen der neuen Plastikkarte im Kreditkartenformat einsatzbereit. Auf der Vorderseite sind Name, Arztnummer und Bild des Inhabers aufgebracht, sodass die Karte wie bisher als Sichtausweis verwendet werden kann. Darüber hinaus ist ein Kryptoprozessor integriert, der eine Fülle weiterer Nutzungsmöglichkeiten bietet. Hierzu gehören:
- die eindeutige Identifikation
in elektronischen Kommunikationssystemen,
- die Authentifizierung, das heißt die gegenseitige Erkennung von Kommunikationspartnern in offenen Netzwerken,
- die rechtssichere elektronische Unterschrift gemäß Signaturgesetz (SigG),
- die Verschlüsselung von Nachrichten (beispielsweise Patientendaten) während des Transports – eingesetzt wird eine starke asymmetrische Verschlüsselung von 1024 Bit,
- Zusatzfunktionen, beispielsweise die Anerkennung von Weiterbildungen.
Der multifunktionale elektronische Arztausweis ist ein wichtiger Sicherheitsbaustein für die Kommunikation und den Datenaustausch in medizinischen Netzwerken, für die besonders hohe Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit gelten.
Startschuss mit CHIN
In der Startphase wird der neue Ausweis zunächst an 40 Ärztinnen und Ärzte ausgegeben. Diese sind Teilnehmer am „Community Health Integrated Network“ (CHIN) in Ostwestfalen, einem regionalen Vernetzungsprojekt zur Verbesserung der Kommunikation im Gesundheitswesen. Darin geht es um die Einführung einer „multimedialen Patientenakte“ und die elektronische Vernetzung von sechs kardiologischen Gesundheitseinrichtungen.
Finanziert wird das Projekt unter anderem mit 1,5 Millionen DM von dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium und der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Weitere Partner sind die Deutsche Telekom AG, die das Projekt technisch betreut und die Sicherheitsinfrastruktur konzipiert hat, und das Medizinische Zentrum für Gesundheit, Bad Lippspringe. Die Gesamtkosten des Projekts werden mit rund 4,6 Millionen DM veranschlagt.
Schnellere und bessere Behandlung
Die Zusammenarbeit von Klinik, Rehabilitationseinrichtungen, Arztpraxis und Sozialversicherung soll die Qualität und Effizienz der Behandlung herzkranker Patienten verbessern, indem beispielsweise unnötige Doppeluntersuchungen oder Transporte vermieden werden. Auch der ärztliche Fachaustausch kann davon profitieren: So wird der Hausarzt beispielsweise sofort auf die am beteiligten Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Bad Oeynhausen, erstellten Patientendaten – Befunde, Arztbriefe und Ähnliches – zugreifen können. Umgekehrt kann der Kardiologe am Herzzentrum anhand der vom niedergelassenen Kollegen übermittelten Befunddaten über die Notwendigkeit einer Einweisung entscheiden. Voraussetzung hierfür ist der sichere Umgang mit Patientendaten im Rahmen einer umfassenden Sicherheits-Policy, die sich im CHIN-Projekt unter Beweis stellen muss.
Verläuft das Projekt erfolgreich, sollen in einer zweiten Stufe die mehr als 9 000 Mitglieder der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe den Ausweis testen. Bei Fortbildungsveranstaltungen können Ärzte zum Beispiel damit dann elektronisch „einchecken“. Heike E. Krüger-Brand

Dr. med. Heinrich Körtke (Bad Oeynhausen) ist als einer der ersten Ärzte Besitzer eines gültigen elektronischen Arztausweises, mit dem Daten verschlüsselt und signiert werden können.
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