ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2000Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch: Pro Familia beklagt Vergütungsregelungen

POLITIK: Aktuell

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch: Pro Familia beklagt Vergütungsregelungen

Dtsch Arztebl 2000; 97(21): A-1430 / B-1145 / C-1015

Klinkhammer, Gisela

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ärzte erhalten für einen instrumentellen Eingriff deutlich höhere Honorare.

Die Organisation Pro Familia zog bei einer Tagung in Bonn rund ein halbes Jahr nach Einführung der so genannten Abtreibungspille Mifepriston (Handelsname: Mifegyne) in Deutschland Bilanz: Dass teilweise sehr emotional über Mifegyne diskutiert worden sei, hänge damit zusammen, dass Schwangerschaftsabbruch ein Thema sei, das die Geister scheide, stellte die Organisation fest. Dabei handele es sich lediglich um eine neue Methode. „Sie revolutioniert nicht das Geschehen beim Abbruch und stellt damit die Beraterin nicht vor eine völlig neue Situation. Allerdings sollte ein detailliertes Wissen über die Wirkungsweise des Medikaments und die Vergabe vor Ort vorhanden sein“, fordert Pro Familia.
Bei der Entscheidung für oder gegen einen medikamentösen Abbruch sollten unter anderem folgende Punkte eine Rolle spielen:
- Das Verfahren ist bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich.
- Die Anwendbarkeit des Verfahrens ist zeitlich auf die ersten sieben bis neun Wochen nach Beginn der letzten Regel begrenzt.
- Eine Betäubung ist in der Regel nicht notwendig.
- Das Verfahren dauert erheblich länger als der instrumentelle Eingriff.
- Eine Verletzungsgefahr der Gebärmutter ist ausgeschlossen.
- Es besteht eine längere Unsicherheit, wann und ob es überhaupt zu einem vollständigen Schwangerschaftsabbruch kommt.
- Die Blutung dauert länger.
- Der Vorgang ähnelt einer Fehlgeburt.
Vertreterinnen der Beratungseinrichtungen betonten die große Bedeutung der Qualität der Information, der Beratung und Begleitung.
Ein großes Problem sieht der Verband in der Finanzierung. „Kaum ein niedergelassener Arzt bietet einen Abbruch mit Mifegyne an, weil es sich einfach nicht lohnt“, sagte Ulla Ellerstorfer, Vorsitzende des Landesverbandes von Pro Familia in Rheinland-Pfalz. Die Patientinnen müssen grundsätzlich den Abbruch selbst bezahlen. Doch bei einkommensschwachen Frauen springen die Länder ein. Das sei in den neuen Bundesländern bei mehr als 90 Prozent und in den alten Ländern bei 60 bis 80 Prozent der Frauen der Fall, erläuterte Joachim von Baross von Pro Familia.
Höherer Betreuungsaufwand
Die vom Bewertungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen festgelegte Vergütungsregelung, nach der sich die meisten Bundesländer richten, sieht zwar für beide Methoden identische Sätze vor. Doch nur beim instrumentellen Eingriff kann darüber hinaus ein Zuschlag für ambulantes Operieren sowie eine Vergütung für Betreuungsleistungen abgerechnet werden. Damit bleibe der beim medikamentösen Abbruch erheblich höhere Betreuungsaufwand vor, während und nach den Medikamentengaben unberücksichtigt, kritisierte Pro Familia. Die Vergütung beträgt bei einem operativen Eingriff unter Teilnarkose bis zu 480 DM, bei einem medikamentösen Abbruch aber nur rund 280 DM. Dabei kosteten die Medikamente allein schon 160 DM. Faktisch hätten also immer noch nicht alle Frauen die Wahl zwischen beiden Methoden. Kli

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema