ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2000Ausbildung Psychologischer Psychotherapeuten: Langfristig Nachwuchsmangel

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Ausbildung Psychologischer Psychotherapeuten: Langfristig Nachwuchsmangel

Dtsch Arztebl 2000; 97(21): A-1442 / B-1208 / C-1130

Bühring, Petra

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LNSLNS Der Berufsverband Deutscher Psychologen und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft fordern, Ausbildungskandidaten im „Psychiatriejahr“ angemessen zu vergüten.

Mit Nachtarbeit, Kreditaufnahme oder Unterstützung der Familie versuchen viele Diplom-Psychologen in der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten (PPiA) das obligatorische „Psychiatriejahr“ zu überstehen. Der 30-Stunden-Job in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie wird nämlich meist nicht entlohnt. Langfristig provoziere diese „ausbeuterische Situation“ Nachwuchsmangel, erklärte Dipl.-Psych. Laszlo Pota, Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP), auf einer Podiumsdiskussion in Bonn. Die Abwesenheit der eingeladenen, für das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) verantwortlichen Politiker wertet er als Zeichen dafür, „dass das Thema brenzlig ist“. Er fordert Nachbesserungen des Gesetzes, damit sich dieses „Sozialdumping“ nicht fortsetze.
Kostspielige Ausbildung
Das PsychThG schreibt eine dreijährige Vollzeit- oder fünfjährige berufsbegleitende Ausbildung bei einem anerkannten Ausbildungsinstitut vor, die mit der Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten abschließt. Die Theorie, Selbsterfahrung und Supervision umfassende Ausbildung kostet zwischen 40 000 und 50 000 DM. 1 800 Praxisstunden sind innerhalb der Ausbildung zu absolvieren. Zwei Drittel der Kliniken bezahlten nichts, ein Drittel zahle minimal Beträge zwischen 300 und 500 DM pro Monat, und vier Kliniken wollten sogar Geld für die Ausbildung haben, berichtete Prof. Dr. med. Wolfgang Fiegenbaum, Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie, über das Ergebnis einer Umfrage. Für die meisten Kliniken sei die Aufnahme von Ausbildungskandidaten eine Zusatzleistung, denn „die Struktur sieht keine Stellen für PPiA vor“.
Das klingt so, als seien die diplomierten Psychologen eine Belastung für die Kliniken. Der BDP ist dagegen der Ansicht, dass der PPiA durch das Studium und das Curriculum im Ausbildungsinstitut besser auf die psychotherapeutische Tätigkeit vorbereitet sei als der Arzt in Weiterbildung zum ärztlichen Psychotherapeuten. Dementsprechend seien die Psychologen, den Ärzten in Facharztausbildung gleichzusetzen und nach BAT IIa zu honorieren, forderte Tobias Schürman von der Deutschen Angestellten- Gewerkschaft (DAG). Arztstellen an Psychiatrischen Kliniken könnten zum Teil in Stellen für PPiA, mit befristeten Verträgen, und für approbierte Psychologische Psychotherapeuten umgewandelt werden, schlagen BDP und DAG vor.
„Das Psychotherapeutengesetz ist bisher nur ein Torso“, räumt Dr. jur. Heinz Nilges ein, der ein Gutachten zur tarifrechtlichen Eingruppierung von Psychologischen Psychotherapeuten in Kliniken erstellt hat. Es sei jedoch einfacher, ein Gesetz zu ändern, als ohne Gesetz tätig zu werden. Stetiger Druck auf die Politik sei nötig. Vielen Psychologen fehle allerdings das Standesbewusstsein, und sie seien schlecht organisiert, meint Dr. Hubert Hermes vom Verband der Krankenhauspsychologen: „Wer im System überleben will, sollte verstärkt berufspolitisch und gewerkschaftlich aktiv werden.“
Petra Bühring
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