ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1996Börsebius – Schering gegen Biogen: Viel Geld im Spiel

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius – Schering gegen Biogen: Viel Geld im Spiel

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die deutsche Schering AG und Biogen, das amerikanische Biotechnologieunternehmen, haben das Kriegsbeil ausgegraben. Es geht, wie so oft in solchen Fällen, um die Ehre, um viel Geld oder um beides.
Biogen, so behauptet zumindest die Schering-Tochter Berlex, würde sich mit fremden Federn schmücken und dreist gegen Patentrechte verstoßen. Mit Avonex, einem Medikament zur Behandlung der Multiplen Skle-rose, verstoße Biogen gegen Patentrechte, die allesamt bei Schering-Berlex lägen.
Berlex zufolge produziert Biogen das für Avonex benötigte Beta-Interferon nach einem Verfahren, das über das sogenannte McCormick-Patent nur Berlex einsetzen dürfe. Nein, das sei keineswegs so, hält Thomas Borcholte, Geschäftsführer der Deutschland-Dependance von Biogen, dagegen. "Wir haben alle Rechte, um Avonex zu produzieren und auch zu vertreiben", gab sich Borcholte vor der Presse in Hannover selbstbewußt, schließlich habe ja immerhin die US-Gesundheitsbehörde Biogen-Avonex zugelassen.
Die Aufregung ist begründet, geht es doch darum, in einem gewinnträchtigen Marktsegment, wo es um Hunderte von Millionen Dollars geht, die Claims abzustecken.
Manche Experten meinen, daß Biogen schlichtweg das bessere Produkt habe, wonach die Wirksamkeit von Betaseron (Schering) auf die Verringerung der Schubrate abziele, während Avonex (Biogen) das Fortschreiten der MS verlangsame. Außerdem sei Avonex für die Patienten wegen der unterschiedlichen Injektionsweise verträglicher, und die Dosierung sei 30fach geringer.
Nun sind wir hier ja bei der Börsenkolumne, und die Frage ist doch, welche Schlüsse sollte der Geldanleger aus dem Kriegsgeschrei ziehen? Genau da liegt das Problem. Solange der Pulverdampf noch nicht verraucht ist, sollte man sich sowohl bei Schering als auch bei Biogen zurückhalten. Gedanken über Verkäufe sind gewiß nicht verfehlt. Wenn zwei sich streiten, kann sich der Dritte oftmals nicht freuen. Börsebius
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