ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2000Privatärztlicher Notdienst: „Arzt-Notruf 19242“ jetzt auch in München

POLITIK: Aktuell

Privatärztlicher Notdienst: „Arzt-Notruf 19242“ jetzt auch in München

Dtsch Arztebl 2000; 97(22): A-1514 / B-1187 / C-1080

RAB

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LNSLNS Mitte der 90er-Jahre ist das private Unternehmen
wegen Verdacht auf Abrechnungsbetrug in
die Schlagzeilen geraten. Nun expandiert das Unternehmen auch nach Süddeutschland.

Notsituationen erfordern schnelle Entscheidungen. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um die eigene Gesundheit handelt. Der Unterschied zwischen dem Kassenärztlichen Notdienst und privaten Anbietern wird dann schon mal übersehen. Dieses Problem kann künf-
tig auch in München auftreten. Der „Arzt-Notruf 19242“ bietet nämlich seit April dieses Jahres seinen privaten Notrufservice auch in der bayerischen Landeshauptstadt an. Die Verbraucherzentrale in Hamburg beklagte bereits 1997, dass Hilfesuchende beim „Arzt-Notruf 19242“ nicht ausreichend über die private Abrechnung informiert worden seien. Dr. Tammo Bialas, ärztlicher Geschäftsführer des privatärztlichen Notdienstes, widerspricht diesen Anschuldigungen. Alle Patienten würden vorab über die privatärztliche Behandlung aufgeklärt. Der Patient entscheide sich wegen der Leistungen und der Qualität des Angebotes für sein Unternehmen, so der Mediziner. Die sofortige Erreichbarkeit und ausreichend Zeit für den Patienten gehörten bei seinem privaten Arzt-Notdienst zum Standard, meint Bialas stolz.
KV wenig euphorisch
Organisiert als modernes Dienstleistungsunternehmen, soll der privatärztliche Notdienst das Angebot der Kassenärzte ergänzen, heißt es in einer Imagebroschüre des Anbieters. Außerdem trage eine „Mehrklassen-Medizin“ auf fortschrittliche Weise zur individuellen Kosten- und Leistungstransparenz bei. Weniger euphorisch bewertet die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg die bisherigen Erfahrungen mit dem privaten Anbieter. Eine Zusammenarbeit gebe es nur in dem Sinne, dass der Bialas-Dienst vornehmlich die Behandlung von Privatpatienten übernehme. Der „normale“ Kassenpatient erhalte aber eine ebenso gute unentgeltliche Behandlung beim Kassenärztlichen Notdienst, so Stefan Möllers, Sprecher der KV Hamburg.
Abgerechnet wird beim privaten Notdienst nach der GOÄ. Der behandelnde Arzt erstellt aber lediglich eine Checkliste mit den erbrachten Leistungen. Die Zentrale in Hamburg stellt dann die Rechnung. Hierbei wurde in der Vergangenheit der Verdacht des Abrechnungsbetruges laut. Die Ärztekammer Hamburg bestätigte, dass sie bereits Mitte der 90er-Jahre Anzeige gegen Tammo Bialas erstattete. Dieses, so Bialas, „unfaire Verhalten einer Ärztekammer“ führte im Oktober 1997 zu seiner Verhaftung. Nach Angaben des Hamburger Abendblattes wurden Bialas mehr als 60 Betrugsfälle vorgeworfen. In Abrechnungen seines privatärztlichen Notdienstes sollen Leistungen aufgeführt worden sein, die von den Ärzten nicht erbracht wurden. Bei Säuglingen und nicht Deutsch sprechenden Ausländern seien psychiatrische Behandlungen abgerechnet worden, hieß es. Bundesweit wurde gegen 198 weitere Ärzte, die als freie Mitarbeiter der Gesellschaft tätig waren, ermittelt. Laut Landeskriminalamt ging es um eine Schadenshöhe von mehreren Millionen Mark. Die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft dauern bis heute an. RAB
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