ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2000Pharmakologische Bewertung von Adipositas-Therapeutika: Kaum Forschung zum Heilfasten

MEDIZIN: Diskussion

Pharmakologische Bewertung von Adipositas-Therapeutika: Kaum Forschung zum Heilfasten

Dtsch Arztebl 2000; 97(22): A-1542 / B-1315 / C-1230

Müller, Horst; Schuck, Peter; Resch, Karl-Ludwig

Zu dem Beitrag vonProf. Dr. med. Olaf AdamDr. rer. nat. Rüdiger ArnoldProf. Dr. med. Wolfgang Forthin Heft 50/1999
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LNSLNS Der Artikel von Adam et al. fasst die pharmakologischen Möglichkeiten zur Behandlung von Adipositas treffend zusammen und bewertet sie mit der nötigen Differenziertheit. So stimmen die gezogenen Schlussfolgerungen auch sehr gut mit den Ergebnissen aktueller systematischer Reviews überein (3). Ebenfalls wird zutreffend auf die notwendige zeitliche Begrenzung pharmakologischer Interventionen und die grundsätzliche Bedeutung diätetischer Maßnahmen hingewiesen.
In diesem Zusammenhang möchten wir auf ein gravierendes Forschungsdefizit im nichtpharmakologischen Bereich aufmerksam machen, wie es häufig und typischerweise anzutreffen ist (1). Heilfasten stellt nach den jahrzehntelangen klinischen Erfahrungen weniger spezialisierter Kliniken eine natürliche Möglichkeit dar, nicht nur kurzfristig Gewicht abzunehmen, sondern auch langfristige Veränderungen der Lebensgewohnheiten zu initiieren und insbesondere das Ernährungsverhalten positiv umzugestalten (2). Dabei dürften „komplexe“ Ansätze angesichts dieses facettenreichen Problems möglicherweise unimodalen (pharmakologischen) Therapieversuchen überlegen sein (4). Eine Überprüfung solcher traditionsreicher therapeutischer Ansätze nach den Kriterien einer evidenzbasierten Medizin wurde bisher weitestgehend vernachlässigt, obwohl erste Schritte in dieser Richtung durchaus positive, wenn auch methodisch angreifbare Ergebnisse erbrachten (5). Aus unserer Sicht erscheinen methodisch adäquate Studien zur Wirkung des Heilfastens bei Adipositas mindestens ebenso vielversprechend wie die Suche nach neuen Pharmaka, auch wenn die Forschung zu letzteren sicher leichter finanzielle Unterstützung erfährt. Von einzelnen Krankenkassen mitgetragene Modellversuche an einigen Naturheilkundekliniken in Form von Begleitforschung nach § 63 SGB V sind zu begrüßen, ersetzen aber keine randomisierten klinischen Studien.

Literatur
1. Dieppe P, Chard J, Tallon D, Egger M: Funding clinical research. Lancet 1999; 353: 1626,
2. Fahrner H: Fasten als Therapie. Stuttgart: Hippokrates; 1985.
3. Glenny AM, O’Meara S, Melville A, Sheldon TA, Wilson C: The treatment and prevention of obesity: A systematic review of the literature. Int J Obes 1997; 21: 715–737.
4. Ornish D, Brown SE, Scherwitz LW et al.: Can lifestyle changes reverse coronary heart disease? The Lifestyle Heart Trial. Lancet 1990; 336: 129–133.
5. Peper E, Rogner J, Hettwer H: Stationäres Heilfasten. Aktuelle und katamnestische Auswirkungen auf körperliches und emotionales Befinden, erlebte Veränderungen sowie Lebensqualität. Zeitschrift für Allgemeinmedizin 1997; 73: 146–150.

Dipl.-Psych. Dr. phil. Horst Müller
Dipl.-Psych. Dr. med. Dr. phil. Peter Schuck
Prof. Dr. med. Karl-Ludwig Resch
Forschungsinstitut Bad Elster (FBK)
Lindenstraße 5 · 08645 Bad Elster

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