ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2000Ortskrankenkassen/Budgets: Begleitmusik

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Ortskrankenkassen/Budgets: Begleitmusik

Dtsch Arztebl 2000; 97(23): A-1553 / B-1317 / C-1181

Clade, Harald

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LNSLNS Zeitgleich mit den auf regionaler Ebene beginnenden Verhandlungen über die Arznei- und Heilmittelbudgets für 2000 hat der AOK-Bundesverband vor der Presse in Berlin Berechnungen darüber vorgelegt, wie die Vertragsärzte im vergangenen Jahr das Arznei- und Heilmittelbudget „überzogen“ haben. Statt der bisher von den Kassen genannten 350 Millionen DM sollen es plötzlich mehr als 410 Millionen DM sein, die bei der Berechnung des Regress- und Überschreitungsvolumens zugrunde gelegt werden sollen. Gleichwohl gibt es nach Meinung der Ortskrankenkassen keinen Grund, den Topf für die Arznei- und Heilmittelverordnungen stärker als grundlohnorientiert (+ 1,4 Prozent) aufzufüllen. Der für Arzneimittelfragen beim AOK-Bundesverband zuständige Abteilungsleiter, Norbert Schleert, erklärte apodiktisch: „Bei konsequenter Verordnung von Generika, einer wirtschaftlicheren Auswahl von Arzneimitteln mit gleichwertigen Wirkstoffen und dem völligen Verzicht auf umstrittene und Medikamente ohne erwiesene therapeutische Verbesserungen beträgt das Sparpotenzial insgesamt 7,4 Milliarden DM.“ Dies ist rund knapp ein Fünftel der GKV-Gesamtausgaben für Arzneimittel (im vergangenen Jahr rund 33,5 Milliarden DM).
Bei all diesen umstrittenen bis dubiosen Hoch- und Querrechnungen sind die Ortskrankenkassen der optimistischen Meinung, unter den geltenden Budgetbedingungen und den Vorgaben des GKV-Gesundheitsreformgesetzes sei noch ausreichend Geld vorhanden, um auch neue innovative Medikamente und neuartige, teurere Therapieverfahren in die vertragsärztliche Verordnungspraxis zu implementieren.
Es ist schon bezeichnend: Bislang waren nach der kasseninternen Aufgabenverteilung ausschließlich die Betriebskrankenkassen und deren Bundesverband für die Pharmapolitik federführend und mit der Verhandlungsführung beauftragt. Jetzt aber, zu einem Zeitpunkt, bei dem es um eine Neupositionierung und Sparvorteile innerhalb der Kassenarten geht, wird die bisherige Linie verlassen und mit einem Rückgriff auf alte und gebetsmühlenartig wiederholte Zahlen Druck auf die Budgets gemacht. Die Ortskrankenkassen und deren wissenschaftliches Institut (WIdO) täten besser daran, rechtzeitig den KVen die aktuellen Verordnungsdaten und Apothekenumsätze zu melden, damit das Verordnungsverhalten in diesem Sektor gesteuert werden kann. Übrigens: Die SPD hatte bereits vor zwei Monaten dafür plädiert, den Kollektivregress wegen seiner Verfassungswidrigkeit per Gesetz aus der Welt zu schaffen. Dr. rer. pol. Harald Clade
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