ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2000Schwangerschaft: Alkohol und Nikotin sollten tabu sein

SPEKTRUM: Akut

Schwangerschaft: Alkohol und Nikotin sollten tabu sein

Dtsch Arztebl 2000; 97(23): A-1556 / B-1320 / C-1184

Stoscheck, Jürgen

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LNSLNS Alkohol in der Schwangerschaft schädigt auch in kleineren Mengen das ungeborene Kind und seine spätere Entwicklung. Nach einer Faustformel führe bereits der Konsum von täglich 30 Gramm Alkohol, das entspreche etwa anderthalb Flaschen Bier oder zwei Gläsern Wein, durch die Schwangere zu einer Verminderung des Intelligenzquotienten des Kindes um sieben Punkte, sagte der Münsteraner Kinderarzt Prof. Hermann Löser bei einer Fortbildungsveranstaltung in Starnberg. Die Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft mäßig, aber regelmäßig Alkohol getrunken haben, fallen im Kindergarten durch verlangsamtes Denken, fehlende Fantasie sowie Merk- und Gedächtnisschwächen auf. In der Schule kämen dann Lernstörungen hinzu, berichtete Löser.

Ebenso schädlich wie Alkohol ist auch Nikotinkonsum während der Schwangerschaft, da er zu intrauterinen Wachstumsstörungen führt. „Das Geburtsgewicht von Kindern, deren Mütter täglich etwa 20 Zigaretten rauchen, ist daher im Durchschnitt um 200 bis 250 Gramm reduziert“, sagte Löser. Diskutiert würden auch körperliche und geistige Entwicklungsverzögerungen, Hyperaktivität und Aggressivität sowie ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod. Nach einer Untersuchung der TU München bestehe eine direkte Korrelation zwischen dem täglichen Zigarettenkonsum und dem Geburtsgewicht des Kindes, ergänzte der Gynäkologe Prof. Karl Schneider. Die Meinung, dass nur ein oder zwei Zigaretten pro Tag nicht schaden, sei falsch.

Diskutiert werde auch, ob das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft und späteres Passivrauchen des Säuglings an der Allergieentstehung beteiligt sei, berichtete Prof. Carl Peter Bauer (Gaißach). Immerhin verbringe ein Säugling täglich etwa 20 Stunden in der Wohnung. Die Belastung durch rauchende Eltern sei somit wesentlich größer als durch Schadstoffe in der Außenluft. Die Zuweisung der Wirkung einzelner Drogen auf das Kind bei Drogenkonsum der Schwangeren ist nach Angaben von Dr. Thomas Ochsenkühn (München) schwierig, weil neben Alkohol und Nikotin meist mehrere Drogen parallel genommen werden. Von Kokain sei bekannt, dass es zu Extremitätenfehlbildungen kommen kann, Amphetamine bewirken Wachstumsretardierungen, und Opiatmissbrauch führe zu einer erhöhten Frühgeburtlichkeit, so Ochsenkühn. Von Marihuana-Missbrauch gehe offenbar keine eindeutige Teratoxizität aus. Jürgen Stoscheck
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