ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2000Erfolgshonorar: Weiter so!

SPEKTRUM: Leserbriefe

Erfolgshonorar: Weiter so!

Mau, Harald

Zu dem „Seite eins“-Beitrag „Viel Lärm um nichts“ von Dr. Thomas Gerst in Heft 18/2000:
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LNSLNS Endlich mal eine echte Innovation von den Krankenkassen. Schluss mit diesen zögerlichen Reparaturversuchen, bei denen immer so kleinmütig darüber nachgedacht wird, ob es denn auch Sinn macht! Jetzt haben wir die Lösung: Behandelt werden in Zukunft nur die Patienten, bei denen 100-prozentiger Erfolg garantiert ist. Also diejenigen, die danach zum Rapport bei der Kasse antreten und melden können: Appendix raus, Bauch verheilt, Befinden gut.
Die paar Millionen Versicherten, bei denen es nicht so einfach geht, weil sie chronisch krank sind oder gar unheilbare Leiden haben, können künftig von den Ärzten behandelt werden, die ihre Patienten ohnehin dauernd wiederbestellen und schon deshalb keinen Anspruch auf ein Erfolgshonorar geltend machen dürfen.
Vielleicht sollte man die Überlegungen von Herrn Reb-
scher weiterführen und die Versicherten ab sofort in
zwei Gruppen einteilen. Die eine Gruppe braucht eine Behandlung wie bisher, die zweite Gruppe benötigt eine Maßnahme mit Erfolgsgarantie (diese Patienten werden nicht behandelt, sondern sie werden „gerebschert“). Radiologen können in der Regel vom Gelingen einer Röntgenaufnahme ausgehen, Laborärzten gelingt die Analyse, Pathologen die Sektion oder Histologie – alle Rebscher-positiv. Für medizinische Randgruppen wie Internisten, Chirurgen, Pädiater, Gynäkologen, Psychiater, Orthopäden, Urologen usw. müssen Ausnahmeregeln gefunden werden.
Ein paar Fragen werden sich schnell klären lassen: Woher rührt die Zustimmung einiger Allgemeinmediziner für Rebschers Vorschlag? Ist der Erfolg der allgemeinmedizinischen Betreuung durch das Ende der Erkrankung oder durch die Überweisung erreicht? Warum weiß Herr Rebscher nicht, wie vertragsärztliche Tätigkeit honoriert wird? Könnte es sein, dass ihn seine Kofferträger da im Dunkeln gelassen haben? Gibt es schon Überlegungen, die Tätigkeit der Krankenkassenhäuptlinge ebenfalls erfolgsbezogen zu vergüten? Ansonsten, weiter so!
Noch ein Vorschlag: Vielleicht könnte man dem einen oder anderen profitorientierten Gesundheitszentrum vorschlagen, als werbewirksame Maßnahme zum Beispiel Amputationen zum Schnupperpreis anzubieten.
Prof. Dr. med. Harald Mau, NAV-Virchow-Bund, Campus Virchow-Klinikum, Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin

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