ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 3/2000Server-basiertes Computing: Einfache Netzwerk-Lösung

Supplement: Praxis Computer

Server-basiertes Computing: Einfache Netzwerk-Lösung

Dtsch Arztebl 2000; 97(23): [11]

Schröder, Oliver

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LNSLNS Das neue Server-Betriebssystem Windows 2000 kann im Einsatz
mit so genannten Thin-Clients
Vorteile für den Netzwerkbetrieb bringen und im Bereich der
Praxis-EDV zugleich dazu
beitragen, Kosten zu senken.

Jede mit einem EDV-System ausgestattete Arztpraxis steht früher oder später vor denselben Problemen. Der Umstieg auf die neue Windows-Generation der Praxissoftware wird geplant; die erst vor wenigen Jahren für viel Geld angeschaffte Hardware und oft auch die Verkabelung sollen erneuert werden. Die Komplexität der EDV-Lösungen nimmt zu, denn neben dem Praxisverwaltungsprogramm wird meist weitere Standard-Windows-Software wie Office-Pakete oder E-Mail-Programme eingesetzt. Parallel hierzu wächst die Zahl der installierten Endgeräte. Diese Erneuerung beziehungsweise Erweiterung der EDV-Infrastruktur führt zu Problemen, die aus anderen Bereichen bereits bekannt sind. Mit jedem neu angeschlossenen Endgerät und jeder zusätzlichen Software steigt der Aufwand für Administration, Support und Benutzer; dies ist in der Regel mit einem entsprechenden Kostenanstieg verbunden.
Ein Lösungsansatz für diese Probleme ist das „Server-basierte Computing“. Es beruht auf der zentralen Installation und Administration von Betriebssystem und Anwendungssoftware auf gut ausgestatteten Servern. Sämtliche Anwendungen laufen auf dem Server ab, die angeschlossenen Clients (Arbeitsplätze) haben nur die Aufgabe, Bildschirminformationen darzustellen und Benutzereingaben (über Maus und Tastatur) zu übermitteln.
Grundlage des Server-basierten Computing ist der Windows-2000-Server von Microsoft. Die integrierten Terminaldienste ermöglichen den Aufbau einer Multiuser-Umgebung mit ausschließlich zentral vorgehaltenen Anwendungen und Daten. Der so genannte Terminalserver erlaubt die Anbindung von schlanken Clients (Terminals). Dies können zum Beispiel geräuschlose Windows-Based-Terminals (unter dem Betriebssystem Windows CE oder Linux) oder herkömmliche PCs unter Windows 95/98/NT/2000 sein. Dabei spielt die Leistungsfähigkeit der PCs keine Rolle. Mit Zusatzsoftware von Drittherstellern können weitere Client-Typen angebunden werden, beispielsweise DOS-PCs und Apple-Macintosh-Computer.
Da die Anwendungsprogramme lokal auf dem Server ablaufen und nur die Interaktionen, also Benutzereingaben, auf den Clients erfolgen, ergibt sich bei vielen Anwendungen eine erhebliche Geschwindigkeitssteigerung. Voraussetzung ist, dass ein 32-Bit-Programm eingesetzt wird. Vorteile für die Praxis:
L Beim Umstieg auf neue Software-Generationen kann ein großer Teil der vorhandenen Hardware, etwa 486er-PCs, weiterhin genutzt werden, da die Ausstattung der Client-Arbeitsplätze keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit hat.
L Die alte Netzwerkverkabelung, wie Koaxialkabel und 10-MBit-Verkabelung, kann in der Regel beibehalten werden, da Server-based Computing nur eine sehr geringe Netzwerklast erzeugt.
L Dadurch ist auch der Zugriff von externen Arbeitsplätzen per Wähl- oder Standleitung möglich und selbst mit einem einfachen Modem sehr schnell.
L Sowohl Soft- als auch Hardware lassen sich zentral administrieren und konfigurieren.
L Die Installation von Programm-Updates und die Einführung neuer Anwendungen lassen sich auch für eine größere Zahl von Benutzern schnell und unkompliziert durchführen, da die Software nur noch einmal auf dem Server eingespielt werden muss.
L Die zentrale Haltung der Daten ermöglicht eine wesentlich höhere Datensicherheit. Ein einzelner Server lässt sich einfacher gegen Viren und Manipulationen und gegen Datenverlust absichern als viele im Netz verteilte PCs.
Total Cost of Ownership
Herkömmliche Netzwerke sind in der Einführung und Instandhaltung teuer. Der Begriff „Total Cost of Ownership“ (TCO) definiert die Gesamtkosten eines Systems im Laufe seines Lebenszyklus. Die Kalkulation der TCO beinhaltet dabei eine Reihe von Kostenfaktoren:
1. die Hardware-Anschaffung
2. Betriebssysteme und Software
3. Softwareinstallation/-verteilung
4. Wartungsarbeiten
5. Hotline
6. Aktualisierung der Software
7. Aktualisierung der Hardware
8. Hardware-Entsorgung
Die größten TCO-Kosten entstehen nach Meinung vieler Experten nicht durch die Erstanschaffungskosten von Hard- und Software, sondern insbesondere durch die Punkte 3 bis 8. Die Punkte 4 bis 8 sind verdeckte Kosten, die dem Arzt zum Anschaffungszeitpunkt eines EDV-Systems meist nicht bewusst sind.
Ein Terminal-Server unter Windows-2000 stellt einen leistungsfähigen Ansatz dar, die TCO-Kosten zu minimieren, zum Beispiel durch die Weiterverwendung alter Hardware als grafische Terminals oder durch die Tatsache, dass Software und Updates nur einmal installiert werden müssen. Bei größeren Netzwerken können durch den Einsatz von Thin-Clients sogar die Kosten der Hardware-Anschaffung gesenkt werden.
Thin-Clients
Bei der Einrichtung neuer Arbeitsplätze zur Erweiterung der EDV-Anlage in der Praxis kann auf Windows-Based-Terminals, so genannte Thin-Clients, zurückgegriffen werden. Neben den geringeren Anschaffungskosten im Vergleich zu einem Desktop-PC fallen im Laufe der „Lebenszeit“ erheblich weniger Kosten für Wartung und Reparatur an. Weitere Vorteile sind: Sicherheit und einfache Administration, geringer Platzbedarf, Hygiene und Geräuscharmut, Robustheit, Benutzerfreundlichkeit und Investitionsschutz. Thin-Clients sind zukunftssicher, da sie bei steigenden Anforderungen zukünftiger Anwendungen nicht aufgerüstet werden müssen. Ihre Lebensdauer beträgt im Vergleich zu der konventioneller PCs ein Vielfaches.
Inzwischen bieten viele Hersteller im Rahmen ihrer Produktpalette auch Thin-Clients in verschiedenen Varianten an, zum Beispiel mit integriertem Flachbildschirm oder Touchscreen, mit Anschlussmöglichkeiten für Barcode- oder Chipkartenleser. Für den kabellosen Zugriff ausgelegte Modelle eignen sich gut für den mobilen Einsatz, aber auch für Umgebungen, wo die Verlegung von Kabeln problematisch ist, wie etwa in OPs. Gemeinsam haben alle diese Geräte, dass sie keine lokalen Massenspeicher (Festplatten) und relativ geringe Rechenleistung benötigen.
Einschränkungen
Ein Nachteil dieser Technologie ist, dass zurzeit nur eine Darstellung von maximal 256 Farben auf den Clients unterstützt wird. Dies reicht zwar für die meisten Praxisverwaltungsprogramme aus; für Arbeitsplätze, an denen hochauflösende Farbbilder dargestellt werden sollen (zum Beispiel archivierte Arthroskopie- oder Gastroskopie-Befunde), ist diese Form der Client-Anbindung nicht möglich. Allerdings besitzt ein Terminal-Server alle Eigenschaften eines „normalen“ Windows-2000-Servers, das heißt, wenn einige Arbeitsplätze auf lokale Peripheriegeräte (zum Beispiel eine Videokarte) zurückgreifen müssen oder eine Farbdarstellung von mehr als 256 Farben benötigen, können diese in der herkömmlichen Form auf den Server als Dateiserver zugreifen.
Oliver Schröder

Kontaktadresse: Oliver Schröder, MoSys GmbH, Heinrich-Hertz-Straße 125, 22083 Hamburg, Telefon 0 40/22 94 80-0


Planung der Installation
Die Installation eines Windows-2000-Servers, der als Terminal-Server genutzt werden soll, muss sorgfältig geplant werden. Dies beginnt mit der Auswahl der Server-Hardware. Einige Tipps hierzu:
L Qualitäts-/Markenhardware einsetzen
L stabile, für Windows-2000 getestete Treiber einsetzen
L wichtig sind CPU-Leistung (speziell Prozessor-Cache) und Speicher
L SCSI-System, separate Festplatten für System und Daten, alle Platten mit NTFS (Windows-NT-Dateisystem) formatieren
L keine Cache-Controller verwenden
L nicht unbedingt notwendige Peripherie vermeiden
L mindestens eine Woche Probelauf des Gesamtsystems
Nach der Auswahl der Server-Hardware wird definiert, welche Arten von Clients und welche Terminals eingesetzt werden sollen. Die eingesetzte Software muss ein 32-Bit-Programm sein. 16-Bit-Windows- sowie DOS-Programme sollten nicht in der Umgebung betrieben werden, da sie erheblich mehr Ressourcen verbrauchen.
Bildschirmschoner und Hintergrundbilder an der Server-Konsole und an den Clients sollten vermieden werden.
Der Server muss in einem ausreichend gesicherten und gekühlten Raum aufgestellt und an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) angeschlossen werden. Alle Arbeiten am Server sollten möglichst von Spezialisten durchgeführt werden, damit eine ausreichende Systemstabilität gewährleistet ist.
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