ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 3/2000Online-Dienst „Diabetes in NRW“: Web-Portal für Bürger und Patienten

Supplement: Praxis Computer

Online-Dienst „Diabetes in NRW“: Web-Portal für Bürger und Patienten

Dtsch Arztebl 2000; 97(23): [22]

Baehring, Thomas; Danwitz, Frank von

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LNSLNS Noch sind erfolgreiche Lösungen für expertengesteuerte und
qualitätsgesicherte Bürger- und Patienteninformation im Internet eher die Ausnahme. Das
vorgestellte Gesundheitsportal zum Thema Diabetes zeigt
Strategien zur inhaltlichen und technischen Realisierung eines solchen Angebotes.
Online-Informationen für Ärzte, Bürger und Patienten erscheinen auch aus der Sicht der Ge­sund­heits­mi­nis­terien der Länder notwendig. Die gesundheitspolitischen Ziele, die mit der Nutzung der neuen Informationskanäle im World Wide Web (WWW) verbunden werden, sind jedoch andere als bei profitorientierten Gesundheitsportalen. Sie umfassen:
L die transparente Darstellung der Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen;
L eine Effizienzsteigerung bei der Ärzte- und Patienteninformierung;
L die Kompetenz- und Wissenssteigerung des Bürgers, Hilfe zur Selbsthilfe;
L Qualitätssicherung;
L Kostensenkung.
Für Ärzte ergeben sich hierbei neue berufliche Möglichkeiten. Am Beispiel des Online-Dienstes „Diabetes in NRW“ (www.diabetes-nrw.de) können die Strukturen der inhaltlichen und didaktischen, der redaktionellen und der technischen Konzeption und Arbeit der Online-Redaktion dargestellt werden.
Inhaltliche Grundlagen
„Diabetes in NRW“ stellt ein Gesundheitsportal zu einem Schwerpunktthema mit allen seinen Facetten dar. Dazu zählen Basisinformationen zur Diabeteserkrankung (Typ 1 und Typ 2), die Themenbereiche allgemeine Prävention, Ernährung, Sport, Versorgungsstrukturen in der Diabetikerbehandlung, rechtliche Grundlagen, psychologische Aspekte, WWW-Links sowie Adressinformationen und Kontaktmöglichkeiten zu Selbsthilfenetzen. Darüber hinaus sind interaktive Elemente eingebunden wie: Diabetes-Risikotest, Chat (Experten-Chat), Schwarzes Brett, Gästebuch. Die interaktiven Elemente der Gesundheitsportale bedeuten für den Nutzer eine besondere Form der Bereitstellung von individuellen Informationen und sind daher sehr beliebt.
Neben den Basisinformationen werden täglich aktuelle Informationen angeboten. Voraussetzung dafür ist die Integration der Online-Redaktion in die Aktivitäten des Deutschen Diabetes-Forschungsinstituts (DDFI) als des nationalen Referenzzentrums für die Behandlung des Diabetes. Dadurch können qualitätsgesicherte und expertengesteuerte Informationen produziert werden, die sich insbesondere an den Zielen der St. Vincent-Deklaration und den Diabetes-Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ausrichten.
Basisinformationen unterliegen in der Regel keinen so häufigen Veränderungen bzw. Neuerungen und bieten eine wichtige Grundlage für jedes Gesundheitsportal. Für den Nutzer sind jedoch auch die aktuellen Informationen von Interesse. Die aktuellen Nachrichten der meisten Online-Dienste sind vergleichbar mit einem Pressespiegel, zu dem neben den Tages- und Wochenzeitschriften auch medizinische Fachzeitschriften zu Rate gezogen werden.
Der Anspruch der Online-Redaktion von Diabetes in NRW ist jedoch höher. Aktuelle Meldungen für den Bürger und Patienten werden aufgrund von Recherchen in der internationalen Fachliteratur (Datenbank-gestützte Abstract- und Volltextrecherche) thematisiert und verständlich aufbereitet. Auch Meldungen aus anderen Medien (Fernsehen, Radio, Tages- und Wochenpresse) werden bearbeitet und kommentiert. Zusätzlich generiert die Redaktion – aufbauend auf den Erfahrungen in der Betreuung von Diabetikern am DDFI – eigene Meldungen. Für dieses exklusive Nachrichtenangebot werden weitere medizinische Experten einbezogen (Fachbeirat).
Entscheidend ist die Qualität des Angebots. Im Bereich der Gesundheitsinformation müssen Angebote im WWW in jeder Hinsicht den höchsten Maßstäben gerecht werden und transparent sein, damit der Nutzer vertrauenswürdige, zuverlässige Informationen erhält. Dies kann nur interdisziplinär in Zusammenarbeit von Ärzten, Fachexperten, Medienpädagogen und Informatikern bzw. Web-Designern gelöst werden.
Technische und strukturelle Grundlagen
Die wichtigste Grundlage für ein erfolgreiches und qualitativ hochwertiges Informationsangebot ist die strukturelle Planung und Organisation des gesamten Vorhabens. Technische Schwierigkeiten können zwar aufhalten, sind in der Regel jedoch zeitlich begrenzt, also lösbar. Strukturelle Schwächen bei der inhaltlichen Informationserstellung hinsichtlich Quantität, Qualität und Aktualität können hingegen das gesamte Projekt in Frage stellen. Deshalb ist bei der Umsetzung eines Gesundheitsportals der Arbeitsfluss (workflow) von zentraler Bedeutung. Dieser muss klar auf das Angebot abgestimmt werden und veränderbar sein, wenn Teile des Angebots optimiert werden sollen oder neue Informationsbereiche hinzukommen.
Die Grundlage, auf der kontinuierliches und qualitativ hochwertiges Publizieren im WWW beruht, ist die Bereitstellung eines effizienten Web-Content-Managementsystems, das die Trennung der Inhalte von der Struktur einer WebSeite ermöglicht. Beim Online-Dienst „Diabetes in NRW“ sieht der Ablauf so aus, dass ein Redakteur die Textmeldung, Schlagwörter, Autoren und Quellen, Rubrik und Erscheinungsdatum über eine einfache Eingabemaske in eine Datenbank stellt. Der Chefredakteur überprüft die Qualität der bereitgestellten Dokumente; er kann direkt Änderungen vornehmen oder weitere medizinische Fachexperten zu Rate ziehen, bevor er die Beiträge freigibt.
Die Erfahrungen der redaktionellen Arbeit an den Web-Seiten zeigen, dass ungefähr ein Fünftel der Beiträge durch nicht medizinische Redakteure bearbeitet werden können. Hierbei handelt es sich in erster Linie um Meldungen zu Terminen (zum Beispiel Kongresse), Bekanntmachungen (Beratungsinitiativen einzelner Verbände und Ähnliches).
Vier Fünftel der Meldungen müssen durch fachkundige Ärzte, die unter anderem auch Erfahrung in der Patientenversorgung haben, redaktionell bearbeitet werden. Das betrifft medizinische Nachrichten oder Meldungen aus der Forschung und dem Gesundheitswesen. Von diesen Meldungen können etwa 30 Prozent nur durch einen Experten zuverlässig bearbeitet werden. Deshalb wurde der Themenbereich Diabetes in weitere Unterbereiche aufgeteilt (zum Beispiel Insulintherapie bei
Typ-1-Diabetikern, Metabolisches Syndrom, diabetisches Kind etc.). Für diese wurden jeweils ein oder mehrere in Deutschland anerkannte Experten ausgewählt, die zuverlässig und kompetent Stellung nehmen können. Dadurch wird eine hohe Qualität in der Informationsbearbeitung erreicht. Der Chefredakteur koordiniert den zeitlichen Rahmen der Meldungen und Beiträge. Darüber hinaus kann er prinzipiell inhaltlich Einfluss auf die Meldungen nehmen, nicht aber auf Stellungnahmen von den Experten (siehe Grafik).
Die Zusammenarbeit zwischen den Redaktionsmitgliedern kann, weil sie auf Inhalten einer zentral verwalteten Datenbank beruht, räumlich und zeitlich getrennt stattfinden. So können die zur Verfügung stehenden Räume und die zeitlichen Kapazitäten optimal genutzt werden.
Die technische Realisierung basiert auf einer weitestgehend abwärtskompatiblen HTML-Programmierung (MS-Internet Explorer 3, Netscape Navigator 3) und einer logisch-hierarchischen Dateistruktur der Dokumente ohne Frames. Lediglich die interaktiven Module werden dynamisch generiert (CGI). Ein dynamisches Dokument ist zum Beispiel der Online-Diabetes-Risikotest. Auf Basis eines durch wissenschaftliche Studien gewonnenen Algorithmus (Herman WH; Smith PJ; Thompson TJ; Engelgau MM und Aubert RE: A new and simple questionaire to identify people at increased risk for undiagnosed diabetes. Diabetes Care, Vol. 18, No 3) können das individuelle Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, sowie Symptome eines eventuell bereits bestehenden Diabetes sofort ermittelt werden. Weitere interaktive Elemente (etwa ein Ernährungstest) sind in Vorbereitung.
Durch diese Konzeption wird die Belastung des Web-Servers reduziert, so dass die Kosten auf der technischen Seite minimiert werden konnten. Sämtliche Inhalte sind „verlinkbar“, „bookmarkfähig“ und auch für Suchmaschinen problemlos indizierbar. Alle Dokumente werden auf optimale Reproduzierbarkeit (Ausdruck) und geringe Ladezeit erstellt. Mit einem entsprechenden Programm (zum Beispiel Dreamweaver) können notwendige Änderungen über das gesamte Online-Angebot automatisiert durchgeführt werden. Damit nutzt der Dienst eine vergleichsweise günstige Technologie, die bei Bedarf kontinuierlich erweiterbar ist.
Der Mehrwert des Dienstes
Das Informationsangebot im WWW mit einer hohen Anzahl von nicht soliden, qualitativ mangelhaften Informationen zur Diabeteserkrankung ist sehr heterogen. Eine Vielzahl von Dokumenten im WWW wird zum Beispiel ohne Quellenangaben veröffentlicht. Die Düsseldorfer Studien (Analyse vom Oktober 1999 der ersten 40 Einträge deutschsprachiger Web-Seiten von sechs bedeutenden Suchmaschinen zum Suchbegriff „Diabetes“) ergaben, dass nur knapp 54 Prozent der von uns indizierten Angebote zum Diabetes das Erstellungsdatum des Dokuments angaben. In rund 40 Prozent der Fälle blieb der Autor auch nach der Suche über alle Seiten des jeweiligen Web-Angebots unklar. Es gab bis zum Start des Online-Dienstes Diabetes in NRW keine „offiziellen“ Informationsquellen im WWW zu diesem Thema. Bereits im Vorfeld wurde deutlich, dass der Mehrwert eindeutig in einer expertengestützten, qualitätsgesicherten und effizienten Information zum Themenkreis Diabetes zu suchen ist.
Ob der Online-Dienst tatsächlich den erwarteten Nutzen und somit einen positiven Einfluss im Hinblick auf die Prävention erbringt, kann analysiert werden:
L über die repräsentative Auswertung des Nutzerinteresses und Verhaltens mit Hilfe von Log-Dateien und
L über die Auswertung eines Fragebogens, der die Akzeptanz des Informationsangebotes hinsichtlich verschiedener Kriterien abgreift.
Bei den Log-Dateien handelt es sich um ein automatisch erstelltes Protokoll des Web-Servers, auf dem das Informationsangebot abgelegt ist, das exakt wiedergibt, wer (IP-Adresse), wann (Datum und Zeit), woher (von welcher Web-Seite kommt der Nutzer), wie lange und welche Web-Seiten in welcher Reihenfolge und mit welchem Browser aufgerufen hat (siehe Kasten, Seite 23). Die Auswertung übernimmt ein spezielles Programm (zum Beispiel WebSuxess).
Die Fragen, warum ein Nutzer die Web-Seiten aufgerufen hat, wie gut sie ihm gefallen haben und ob sie ihm helfen konnten, kann nur durch eine Befragung belegt werden. Die Besucher der Web-Seiten von Diabetes in NRW wurden deshalb zwischen Februar und März dazu aufgefordert, an einer Umfrage teilzunehmen, um den Online-Dienst wissenschaftlich zu evaluieren.
Das Publikum von Diabetes in NRW ist daran interessiert, regelmäßig zuverlässige Informationen abzurufen. Das wird durch die hohe Anzahl der wiederkehrenden Besucher deutlich. Die Anzahl der Nutzer ist im Laufe der Wochen (offizieller Start: 25. Januar 2000) kontinuierlich gestiegen. Den kostenfreien monatlichen Service des Newsletters nutzen bereits mehr als 300 Teilnehmer im gesamten Bundesgebiet. Knapp 1 GigaByte Daten wurden im Beobachtungszeitraum vom Server zu den Nutzern übertragen – Tendenz steigend.
Die Auswertung der eingebundenen Umfrage, die von jedem 34-ten Besucher genutzt wurde, brachte zum Teil überraschende Ergebnisse. Insgesamt erhielten wir in den zwei Monaten N=83 verwertbare Datensätze. Aus diesen geht hervor, dass der Männeranteil unter den Besuchern rund 69 Prozent und der Frauenanteil 31 Prozent beträgt. Das Durchschnittsalter beträgt 46,65 Jahre, mit einem Anteil von über 14 Prozent bei den über 60-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt, gemessen an den Studien zur Nutzung des Internets, wie diese beispielsweise die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) regelmäßig durchführt, deutlich höher. Gemessen an dem 5. GfK Online-Monitor (Januar 2000) beträgt der Anteil der Nutzer in der Altersklasse von 60 bis 69 Jahren nur fünf Prozent der 15,9 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland. Etwas mehr als ein Drittel der Nutzer gab an, das Internet noch nicht länger als ein Jahr zu nutzen. Das ist ein überraschender Wert, der die rasante Entwicklung des Internets und des WWW widerspiegelt. Die Tabelle fasst eine Auswahl weiterer Ergebnisse zusammen.
Die Ergebnisse der Fragebogen-Auswertung erlauben folgende Interpretationen: Der Stellenwert der aktuellen Informationen wird besonders deutlich. Der Mehrwert des Online-Dienstes Diabetes in NRW zeichnet sich durch Umfang und Qualität der angebotenen Informationen aus. 97,5 Prozent der Befragten gaben an, die gesuchten Informationen gefunden zu haben, und 54,1 Prozent stießen auf neue Informationen. 21,2 Prozent werden die erhaltenen Informationen mit ihrem Hausarzt besprechen. Dieser Punkt wird oft kritisch diskutiert, wenn Patienten mit Papierausdrucken von Internet-Seiten den Hausarzt konsultieren. Der mündige Patient, der sich selbstständig mit Informationen zu seiner Krankheit versorgt, stellt jedoch ein Leitbild dar, das nicht zuletzt durch die St. Vincent-Deklaration gefordert wird. Deshalb bieten wir dem Bürger und Patienten qualitativ hochwertige Informationen und ermutigen ihn zum Gespräch mit dem Hausarzt. Die individuelle Beratung und Therapie kann nur durch den Hausarzt erfolgen.
Die Gestaltung und Qualität des Online-Dienstes – Navigation, Schriftgröße, Kontaktmöglichkeiten, Ladezeit der Web-Seiten, Informationsumfang, Objektivität, Zuverlässigkeit, Übersichtlichkeit – wurden durch die Nutzer mit den Schulnoten „gut“ bis „sehr gut“ bewertet.
Blick in die Zukunft
Die rasante Entwicklung des Mediums Internet ist nicht aufzuhalten. Aber die Entwicklung, gerade von Gesundheitsinformationen, muss gesteuert werden. Einen Beitrag dazu leistet der Online-Dienst „Diabetes in NRW“ als expertengesteuerte, aktuelle und zuverlässige Informationsquelle, die hohen Qualitätsansprüchen folgt. Dabei steht der praktische Nutzen für den Bürger und Patienten im Vordergrund. Neben den tagesaktuellen Meldungen und den Basisinformationen wird das Angebot weiter ausgebaut. Weitere interaktive Elemente, wie ein Ernährungstest und Termine zum Experten-Chat, werden zum Sommerbeginn etabliert. Darüber hinaus wird der Online-Dienst kontinuierlich evaluiert. Frank von Danwitz,
Thomas Baehring

Kontaktadresse: Redaktion Diabetes in NRW, Prof. Dr. med. Werner Scherbaum, Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut, Auf’m Hennekamp 65, 40225 Düsseldorf, Internet: www.diabetes-nrw.de, E-Mail: redaktion@diabetes-nrw.de



Log-Datei-Werte
Die Log-Dateien geben für den Online-Dienst „Diabetes in NRW“ für den Zeitraum vom 25. Januar bis 8.Mai 2000 (105 Tage) folgende Nutzerzahlern aus:
P 71 950 Hits = Gesamtzahl der aufgerufenen Dokumente ohne Bilder (gif, jpg)
P 10 857 Visits = Anzahl der Besuche mit zusammenhängenden Seitenabrufen
P 103,4 Visits pro Tag
P 2,5 Visits pro Besucher
P 07:38 Minuten:Sekunden = Gesamtbesuchszeit pro Besucher
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