ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2000Kalziumantagonist Felodipin: Prävention der „Hochdruckdemenz“

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Kalziumantagonist Felodipin: Prävention der „Hochdruckdemenz“

Dtsch Arztebl 2000; 97(23): A-1615 / B-1358 / C-1183

Hoc, Siegfried

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Hypertonie ist der wichtigste Risikofaktor für den Schlaganfall. Antihypertensive Therapie ist deshalb die erfolgreichste Prävention von zerebralen Insulten. Weniger beachtet wurde bisher die Rolle der arteriellen Hypertonie für die Entstehung von Hirnleistungsstörungen bis hin zur Demenz. Nicht nur für die Entwicklung der Multi-Infarkt-Demenz und die subkortikale atherosklerotische Enzephalopathie sind vaskuläre Ursachen nachgewiesen. Auch die Entwicklung der Alzheimer-Demenz wird offensichtlich durch vaskuläre Schädigungen gefördert. Auffallend sei das gehäufte Auftreten von Alzheimer-Demenz bei Personen mit vorbestehender arterieller Hypertonie, betonte Prof. Joachim Schrader (Cloppenburg) bei einem Pressegespräch der Aventis Pharma Deutschland in Hamburg.
Schrader berichtete über eine fünf Jahre laufende Longitudinal-Studie mit 70-jährigen Patienten. Sie zeigte, dass Hypertoniker in späteren Jahren häufiger eine Demenz entwickeln als Normotoniker. Die SYST-EUR-Studie wies dann nach, dass eine suffiziente antihypertensive Therapie die Demenz-Fälle statistisch signifikant reduziert, nämlich um rund die Hälfte. In dieser Studie wurden die Patienten mit einem Kalzium-Antagonisten vom Dihydropyridin-Typ und gegebenenfalls zusätzlich mit einem ACE-Hemmer behandelt. Darüber hinaus wurde durch diese Behandlung die Anzahl der kardiovaskulären Ereignisse und Schlaganfälle signifikant gesenkt.
Hypertonie fördert kognitive Ausfälle
Prof. Helmut Woelke (Gießen) sieht eine strenge Korrelation zwischen dem Ausmaß der Hypertonie in den mittleren Lebensjahren und dem Grad der kognitiven Ausfälle im höheren Lebensalter. Der pathophysiologische Hintergrund sind in erster Linie die bei Hypertonie verschlechterte Mikrozirkulation und Veränderungen wie erhöhte Plasmaviskosität und Thrombozyten-Aggregation, reduzierte Erythrozyten-Rigidität und fibrinolytische Aktivität, eine gestörte Sauerstoffutilisation sowie beeinträchtigte Stoffwechselfunktionen. Vor allem Letztere könnten die Entwicklung eines demenziellen Syndroms als Folge der Hypertonie erklären, so Woelke.
Dr. Siegfried Lehrl (Erlangen) berichtete über eine doppelblinde Pilotstudie mit 31 Hypertonikern, die kognitive Defizite entwickelt hatten. Es sollte geprüft werden, ob der Kalziumantagonist Felodipin (Munobal®) der geistigen Leistungsminderung bei Hypertonikern entgegenwirkt. Die Patienten der Vergleichsgruppe erhielten als antihypertensive Medikation die Kombination Hydrochlorthiazid/Amilorid.
Das Ergebnis war eindeutig: Nach zwölf Behandlungswochen war die kognitive Leistungsfähigkeit unter Felodipin um zwei Drittel stärker gestiegen als unter der HCT/ Amilorid-Kombination. Die erreichte Blutdrucksenkung war dagegen in beiden Gruppen vergleichbar. Offensichtlich senkt Felodipin nicht nur den Blutdruck, sondern verbessert auch die Mikrozirkulation und damit den zerebralen Blutfluss.
Prof. Peter Trenkwalder (Starnberg) hob die gute antihypertensive Wirksamkeit des Kalziumantagonisten Felodipin hervor. Der Wirkstoff sei insbesondere für ältere Hypertoniker geeignet, da er sich metabolisch neutral verhalte und kaum Kontraindikationen existierten. Da die Substanz auch die zerebrale Mikrozirkulation verbessert, empfahl Trenkwalder Munobal® als Medikament der Wahl zur Prävention der „Hochdruckdemenz“. Siegfried Hoc
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema