ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2000Kolorektales Karzinom: Die Chemotherapie wird einfacher

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Kolorektales Karzinom: Die Chemotherapie wird einfacher

Dtsch Arztebl 2000; 97(23): A-1617 / B-1365 / C-1273

Vetter, Christine

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LNSLNS Das Kolonkarzinom ist in den Industrienationen der zweithäufigste Tumor. Allein in Deutschland erkranken pro Jahr rund 50 000 Menschen; etwa 50 Prozent von ihnen entwickeln Metastasen und bedürfen einer palliativen Chemotherapie. Dabei wird üblicherweise 5-Fluorouracil (5-FU) sowie Folinsäure eingesetzt; die Remissionsrate liegt bei 15 bis 30 Prozent, die mittlere Zeit bis zur erneuten Tumorprogression bei fünf bis sieben Monaten.
Bessere Ergebnisse lassen sich mit dem Ardalan-Schema, einer wöchentlichen 24-Stunden-Hochdosis-Dauerinfusion mit 2 600 mg/m2 5-FU und 500 mg/m2 Folinsäure erzielen. Für dieses Schema werden nach Angaben von Dr. Gernot Hartung vom Onkologischen Zentrum der Universitätsklinik Mannheim Remissionsraten von 35 bis 58 Prozent beschrieben, die mittleren Überlebenszeiten sind mit 22 Monaten vergleichsweise lang.
Natriumfolinat
gut mischbar
Beim ursprünglichen Ardalanschema sei Calciumfolinat eingesetzt worden, doch habe es immer wieder Probleme durch die Ausfällung von Calciumsalzen bei der Mischinfusion gegeben, erklärte Hartung bei einem Symposium der medac GmbH anlässlich des Deutschen Krebskongresses in Berlin. Deutlich günstiger sei es, wenn statt Calciumfolinat das Natriumfolinat verwendet würde, da dieses besser mit 5-FU mischbar sei. „Die Gefahr der Bildung von Kristallen, die den Katheter verstopfen könnten, besteht dann nicht“, sagte Hartung. Im Rahmen einer klinischen Studie wurden 51 nicht vorbehandelte Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom sechs Wochen lang wöchentlich mit 5-FU und Natriumfolinat, gemischt in einer Pumpe, behandelt. Nach einer Pause von zwei Wochen folgte ein erneuter Behandlungszyklus, und im Verlaufe der Studie wurden insgesamt 986 Infusionen verabreicht.
Die Ergebnisse sind nach Hartung durchaus „respektabel“. So wurde bei knapp
vier Prozent der Patienten
eine komplette Remission und bei 33 Prozent eine partielle Remission erzielt. 41 Prozent der Tumorpatienten zeigten einen stabilen Krankheitsverlauf, 21 Prozent verliefen progredient. Die mittlere Zeit bis zur Tumorprogression lag bei 8,5 Monaten und war damit den bisherigen Ergebnissen ebenso wie die mediane Überlebenszeit von 16,5 Monaten vergleichbar.
Auch bezüglich der Toxizität unterschieden sich die Resultate nicht von denjenigen herkömmlicher Untersuchungen mit Calciumfolinat: Rund 25 Prozent der Patienten entwickelten Durchfälle, elf Prozent ein Hand-Fuß-Syndrom Grad III, sieben Prozent eine Stomatitis, und knapp vier Prozent zeigten eine kardiale Toxizität mit Symptomen einer Angina pectoris.
Als vorteilhaft bei der Kombination von 5-FU und Natriumfolinat bewertet der Mannheimer Mediziner, dass offenbar ähnlich lange Ansprechzeiten wie beim Ardalan-Schema erwirkt werden, dass dabei aber eine Vereinfachung der Therapie realisiert wird, die sich kosten- wie auch zeitsparend auswirkt. Christine Vetter
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