ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2000Börsebius zu Immobilienfonds: Bruchlandung Ost

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Immobilienfonds: Bruchlandung Ost

Dtsch Arztebl 2000; 97(23): [60]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die Goldgräberstimmung in den neuen Ländern ist längst an der Realitätswahrnehmung gescheitert. Den Traum von den blühenden Landschaften nutzten vor Jahren etliche Anbieter von Immobilienfonds schamlos aus, um den Anlegern das Blaue vom Himmel herunterzulügen.
Speziell Berliner Fondsinitiatoren – in Personalunion als Abschreibungskünstler tätig – sammelten nach der Wende das Geld säckeweise ein, als sie Sparern Tausende von Schrottimmobilien aufschwatzten, in Hochglanzprospekten allesamt reich gerechnet durch satte Mietgarantien und Wertsteigerungsfantasien.
Jürgen Hanne zählte zu einem der ganz Großen der Branche. Als die Mauer fiel, war für den Zehlendorfer Baulöwen die Chance seines Lebens gekommen. Die riesigen Sonderabschreibungen, die der Bund für Investitionen in den Aufbau Ost gewährte, lösten einen Boom sondergleichen aus. An dem wollte Hanne nicht nur teilhaben, sondern ganz vorne mitmischen.
In einer aufwendigen Werbekampagne lockte der Abschreibungsguru die Bundesrepublikaner scharenweise in seine Immobilienfonds für Wohn- und Gewerbeparks, Büros und Einkaufszentren. Am Ende harrte eine Milliarde Mark auf Superrenditen, die auf dem ach so geduldigen Papier versprochen waren.
Ende März in Zürich kam für Hanne dann aber das Aus, als er verhaftet wurde. Der Berliner Kapitalanlagebetrüger gab zu, Prospekte geschönt und einen Pachtvertrag gefälscht zu haben, um möglichst viele Anleger zu täuschen und auch an Bankkredite zu kommen.
Ein Einzelfall ist das gleichwohl nicht, ganz im Gegenteil. Die Bassmann Bau AG ist mittlerweile ebenso pleite wie die Unternehmensgruppe Roland Ernst und viele andere mehr. Die Betreiber von Immobilienfonds, die keine Probleme haben, sind meiner Meinung nach an den Fingern einer Hand abzuzählen. Die meisten Initiatoren speziell von Ostprojekten blendeten die Anleger mit fünfjährigen üppigen Mietgarantien, die jetzt aber nahezu alle abgelaufen sind.
Was folgt, kann nur noch böses Erwachen sein. Die wirklich erzielbaren Mieten betragen nur noch einen Bruchteil der versprochenen Einnahmen. In Berlin etwa kalkulierten die wahnwitzigen Initiatoren eine erzielbare Büromiete von 60 Mark pro Quadratmeter; in Wahrheit ist grade mal ein Viertel davon realistisch.
Laufen die Mietgarantien aus, blicken die Anleger in ein gewaltiges Finanzloch, und die ganzen Schönrechnungsmodelle brechen in sich zusammen. Entweder folgt die Pleite auf dem Fuße, oder es drohen Nachzahlungen. In beiden Fällen erwirtschaftet der Fondskäufer keinen Überschuss.
Zum bösen Spiel hält am Ende der Fiskus wegen so genannter Liebhaberei die Hand auf und kassiert die Steuervorteile wieder ein. Manche Besitzer von Ostimmobilien wissen noch gar nicht, was ihnen blüht oder droht, je nachdem. Börsebius
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