ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2000Kosten-Nutzen-Analysen: Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

SPEKTRUM: Akut

Kosten-Nutzen-Analysen: Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Dtsch Arztebl 2000; 97(24): A-1628 / B-1398 / C-1301

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Pharmahersteller bewerben ihre Medikamente vermehrt mit Hilfe von Kosten-Nutzen-Analysen (KNA). Besonders gerne werden KNA zu neuen patentgeschützten Medikamenten vorgelegt, die meist teurer als herkömmliche Mittel sind, um Krankenkassen und Kliniken vorzurechnen, dass trotz des finanziellen Mehraufwands für diese Arzneimittel Geld eingespart wird, weil die Patienten früher aus der Klinik entlassen werden, keine Rehabilitation benötigen oder die Krankheit seltener chronisch verläuft. Interessant sind vor diesem Hintergrund die Erfahrungen, die in Australien gemacht wurden. Dort bezahlt der staatliche Gesundheitsdienst neue Medikamente nur noch dann, wenn ihr ökonomischer Vorteil belegt ist. In der Folge haben die Firmen KNA produziert, deren Qualität jedoch häufig zu wünschen übrig ließ.

Obwohl die australische Regierung Empfehlungen zur Erstellung von KNA herausgegeben hatte, fanden Suzanne Hill und Mitarbeiter aus Waratah in New South Wales in zwei Dritteln der Studien mehr oder weniger schwere Mängel (JAMA 2000; 283: 2116–2121). Einmal waren die klinischen Studien, die der KNA zugrunde gelegt wurden, unzureichend, ein anderes Mal wurden relevante Studien nicht berücksichtigt. Zum einen hatten die komplexen Berechnungen der KNA statistische Mängel, zum anderen wurden nur die Kosten, aber nicht der Nutzen diskontiert. Als besonders problematisch bezeichnete Hill, dass viele Hersteller keine direkten Vergleiche zur Standardmedikation durchführten. Sie begnügten sich mit placebokontrollierten Studien zum eigenen Medikament.

Die Kosten-Nutzen-Relation wurde aus einem indirekten Vergleich mit anderen Studien abgeleitet, in denen das Konkurrenzmedikament gegen Placebo getestet wurde. Für Hill ist das häufig ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Allein schon die unterschiedliche Zusammensetzung der Teilnehmer in den Studien spreche gegen eine Vergleichbarkeit. Die Schuld liegt jedoch nicht nur bei den Herstellern. Die australische Regierung hatte sie zu indirekten Vergleichen ermutigt. Die Autoren glauben auch nicht, dass die KNA aus betrügerischer Absicht manipuliert wurden. Häufig schlage aber die zweckoptimistische Ansicht der Produktmanager auf die Ergebnisse durch. Dennoch gebe es keine Alternative zur KNA. Nur müssten die seit langem bekannten Qualitätskriterien zur Erstellung von KNA beachtet werden. Rüdiger Meyer
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