ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2000Krebsregister: Übermäßig restriktiver Datenschutz

SPEKTRUM: Leserbriefe

Krebsregister: Übermäßig restriktiver Datenschutz

Dtsch Arztebl 2000; 97(24): A-1630 / B-1400 / C-1303

Ziegler, Hartwig

Zu dem Beitrag „Jedes Bundesland hat sein eigenes Gesetz“ von Dr. med. Eva A. Richter in Heft 19/2000:
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LNSLNS . . . Als langjährig für den Auf- und Ausbau des epidemiologischen Krebsregisters im Saarland Verantwortlicher freue ich mich natür-
lich besonders darüber, dass die Bedeutung des saarländischen Krebsregisters in der deutschen Krebsregisterlandschaft und auch auf internationaler Ebene als einzige deutsche Einrichtung dieser Art angemessen und der Realität entsprechend hervorgehoben und gewürdigt worden ist. Allerdings, die Frage, warum das Saarland so erfolgreich gewesen ist, haben Sie sich offenbar nicht gestellt . . .
Das saarländische Register hat eben nicht nach dem in Ihrem Artikel als Modell der Zukunft gepriesenen Registrierungssystem des Bundeskrebsregistergesetzes gearbeitet. Der endgültige Nachweis der Funktionsfähigkeit des „reinen“ Treuhandmodells steht bis heute aus. Dies wird im Übrigen auch nicht von seinen Entwicklern bestritten. In einer kürzlich vorgenommenen einschlägigen Expertenbewertung der Instrumente des Bundeskrebsregistergesetzes wurde zusammenfassend darauf hingewiesen, dass eine abschließende registerübergreifende Evaluation in circa fünf Jahren erforderlich sei.
Nach dem Wissen des Unterzeichners, der seit langen Jahren vielfältige internationale Kontakte knüpfen und einschlägige Erfahrungen sammeln konnte, gibt es derzeit weltweit kein funktionsfähiges bevölkerungsbezogenes Krebsregister, das nach einem hinsichtlich der Forderungen des Datenschutzes vergleichbar stringenten, möglicherweise zu fehleranfälligen Registrierungsmodell arbeitet. Man spricht vielmehr von einem „German Virus“, von dem man fürchtet, dass es sich weiter unkontrolliert ausbreiten könnte. Als unbedingt zu vermeidende Folge wird eine Gefährdung und Infragestellung der Krebsbekämpfung und epidemiologischen Krebsursachenforschung auf der Basis bevölkerungsbezogener Register durch übermäßig restriktiven Datenschutz gesehen. Individueller Datenschutz vor Gesundheitsschutz der Allgemeinheit? Dieser Aspekt ist sicherlich eine weitere Erörterung wert, wenn es um die Entscheidung für das eine oder andere Krebsregistermodell geht.
Hartwig Ziegler, Leit. Wirtschafts-Direktor, Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes, Virchowstraße 7, 66119 Saarbrücken
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