ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2000Ärztetag: Gebündelte Ahnungslosigkeit

SPEKTRUM: Leserbriefe

Ärztetag: Gebündelte Ahnungslosigkeit

Dtsch Arztebl 2000; 97(24): A-1634 / B-1380 / C-1287

Schwerdtner, Wolf-Jürgen

Zu dem Bericht über die Eröffnungsveranstaltung des 103. Deutschen Ärztetags „Entschiedene Standpunkte“ von Dr. Thomas Gerst in Heft 19/2000:
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LNSLNS Die Probleme umlagefinanzierter Sicherungssysteme werden durch Beitragssatzstabilität immer problematischer. Der Gesetzgeber weiß es, kann es aber nicht zugeben. Eigenverantwortung oder vermehrte Selbstbeteiligung bei Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen ist schon der richtige Weg, diszipliniert sie überflüssige aufwendige Untersuchungs- und Behandlungsverfahren (Doppeluntersuchungen, überflüssige Operationen, Originalpräparate).
Pauschalierung/Budgetierung/Rationierung ist der falsche Weg. Die Bezahlung ärztlicher Leistungen nach Kopfpauschalen war so lange genehm, wie das Budget zu hoch bemessen war. Die Probleme geringer Kopfpauschalen mit Perversion durch virtuelle Krankenkassen und Risiko­struk­tur­aus­gleich bringt das vielfältige Krankenkassen(un)wesen durch Pseudowettbewerb ans Ende des Machbaren.
Stand die Qualität des Systems bisher nicht zur Disposition, so ist durch Budgetierung die Qualität nun nicht gefährdet, sondern schon gesunken. Als schlichter Leistungserbringer muss man sich in Analogie zu Richter-Reichhelm fragen, ob die da oben noch wissen, was sie tun. „Wir akzeptieren keine Budgetierung“, wer ist für das Praxisbudget verantwortlich? Die KBV. „Wir müssen weg von der Handwerkergebührenordnung“ (Hess). Wir haben eine solche Gebührenordnung nie gehabt. Richter-Reichhelm: „Praxisbudget hat nichts mit Rationierung zu tun, das haben Sie falsch verstanden, Herr Kollege. Dadurch soll der Punktwert stabilisiert werden.“ Und was ist passiert?
Rückwirkende Budgetierung, EBM-Reformen gescheitert, auch dem neuen EBM wird Gleiches widerfahren. Laborreform, Honorarverteilungssysteme, (Hin-) Richtungsgrößen und rechtswidrige Kollektivregresse, ICD und ICPM, alles willkürliche Maßnahmen zur Qualitätseinschränkung.
Auch Standespolitiker wissen nicht, was sie tun. Aber sie wollen ihre lukrativen Posten behalten, die nächsten KV-Wahlen lassen grüßen. Wer lädt eigentlich Frau Fischer zu derartigen Veranstaltungen ein? Seehofer hat in seiner Zeit der Zuständigkeit nichts dazu gelernt, jetzt gebündelte Ahnungslosigkeit – vielleicht eine Grundvoraussetzung für Lernfähigkeit?
Dr. med. Wolf-Jürgen Schwerdtner, Ostpreußendamm 139, 12207 Berlin
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