ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2000Darwins gefährliche Erben

SPEKTRUM: Bücher

Darwins gefährliche Erben

Dtsch Arztebl 2000; 97(24): A-1638 / B-1384 / C-1291

Rose, Steven

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LNSLNS heoretische Biologie
Eigenwillige Interpretation
Steven Rose: Darwins gefährliche Erben. Biologie jenseits der egoistischen Gene. Verlag C. H. Beck, München, 2000, 363 Seiten, 46 Abbildungen, gebunden, mit Schutzumschlag, 49,80 DM
Steven Rose wendet sich gegen eine „DNA-zentrierte Sichtweise der Welt“, die statisch und reduktionistisch sei, und fordert, dass der Dynamik von Lebensprozessen mehr Beachtung geschenkt wird. Rose beruft sich auf den Begriff der Autopoiese, der in den 70er-Jahren von Humberto Maturana und Francisco Varela geprägt wurde. Hierbei wird der Selektionsbegriff erweitert: Der Organismus kann seine Umwelt aktiv mitverändern und ist nicht nur passiv dem Selektionsdruck ausgesetzt.
Viel Neues hat Rose in seinem Buch nicht zu bieten. Dafür zieht er langatmig und polemisch über die Molekularbiologie her. Genauso wenig wie sich die Physiologie oder Chemie auf die Physik reduzieren lässt, sei es möglich, die Physiologie auf die Molekularbiologie zu reduzieren. Rose untermauert dies unter anderem mit dem Beispiel, dass verschiedene Ursachen zu hohen Cholesterinwerten führen können. Einen einzelnen Gendefekt hierfür verantwortlich zu machen wäre reduktionistisch. Andererseits verschweigt er, dass gerade bei vielen Erbkrankheiten ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen einem defekten Gen und der Erkrankung besteht. So gebe es „keine lineare Beziehung zwischen Gen und Phänotyp“, sondern eine „molekulare Demokratie“. Komplexität und Determinismus werden als Gegensätze dargestellt.
Von diesen etwas eigenwilligen Interpretationen abgesehen, kritisiert Rose zu Recht die häufig gerade in der Laienpresse stattfindende Reduktion komplexer Verhaltensweisen auf ein Gen, beispielsweise bei Kriminalität oder Homosexualität.
Stephan Mertens, Köln
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