ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2000Kinderunfälle: Vermeidbare Stürze

POLITIK: Aktuell

Kinderunfälle: Vermeidbare Stürze

Dtsch Arztebl 2000; 97(24): A-1652 / B-1400 / C-1250

Bühring, Petra

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LNSLNS In den Industriestaaten sterben heute mehr Kinder an Unfallfolgen als an Infektionskrankheiten und Krebs. Zur gezielteren Prävention wurden neue Merkblätter entwickelt.

Der Sturz aus der Höhe ist der häufigste Kinderunfall: beim Säugling der Sturz vom Wickeltisch, beim Kleinkind der vom Balkon oder aus dem Fenster. Die zweithäufigste Unfallursache bei Kindern bis fünf Jahre sind Verbrennungen und Verbrühungen. Insgesamt erleiden jährlich knapp zwei Millionen Kinder bis 14 Jahre Verletzungen durch Unfälle, 1 000 davon enden tödlich.
Doch „60 Prozent der Unfälle lassen sich durch präventive Maßnahmen vermeiden“, erklärte Rolf Stuppardt vom IKK-Bundesverband. Unterschätzung von alltäglichen Gefahren und mangelnde technische Sicherheit seien die wesentlichen Gründe für die vielen Unfälle. Die Eltern haben die Verantwortung für die Prävention, doch sie benötigen Unterstützung: Im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen überreicht der Kinder- oder Hausarzt ein Merkblatt, das – entsprechend der Altersstufe des Kindes – auf die Unfallgefahren aufmerksam macht. Auf Initiative des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) haben sich die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung entschlossen, Merkblätter zur gezielten Prävention herauszugeben.
Information zum richtigen Zeitpunkt
Illustrationen veranschaulichen die altersentsprechenden Unfallgefahren, die schriftliche Information beschränkt sich auf wenige Sätze – damit werden alle Bevölkerungsschichten erreicht. „Wichtig ist, dass die Eltern zum richtigen Zeitpunkt über die möglichen Gefahren informiert werden“, so Stuppardt. Gefahren von Hochbetten beispielsweise seien für die Eltern von Säuglingen noch nicht relevant und gerieten daher in Vergessenheit. Die persönliche Überreichung des entsprechenden Merkblattes im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen „ist der Motor der Prävention“, betonte Dr. med. Jürgen Bausch, Kinder- und Allgemeinarzt, 1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen: „Ein gut gemachtes Informationsblatt bleibt ohne Erfolg, wenn es nur im Wartezimmer ausgelegt wird.“
Krankenkassen zahlen die Druckkosten
560 000 Merkblattsätze zu je sieben Merkblättern wurden bereits Ende 1999 an die KVen – die für die Verteilung zuständig sind – versandt. „Die Merkblätter stießen bei den Vertragsärzten auf durchweg positive Resonanz“, berichtete Bausch. Dies wurde bereits nach einem Quartal durch die nicht zu befriedigende Nachfrage deutlich, denn um einen Geburtsjahrgang abzudecken, sind etwa 750 000 Merkblattsätze erforderlich. Ab diesem Jahr ist die Frage der Druckkosten in Höhe von 150 000 DM jährlich nun geklärt – die Spitzenverbände der Krankenkassen zahlen sie. Dieser Betrag sei gut angelegt, meinte Dr. med. Jörg Schrievers, Beauftragter Kinderunfälle des BVKJ, denn die Krankenkassen geben jährlich rund zwei Milliarden DM für die Behandlung von Unfallverletzungen aus. Petra Bühring
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