ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2000Kunst im Krankenhaus: Zwerge zwischen Kabeln und Schläuchen

VARIA: Feuilleton

Kunst im Krankenhaus: Zwerge zwischen Kabeln und Schläuchen

Dtsch Arztebl 2000; 97(24): A-1685 / B-1425 / C-1275

EB

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LNSLNS Gestaltung des Durchleuchtungsraums einer Kinderklinik

Am Anfang war die neue Maschine. Wenn man sie da so stehen sah, konnte man Angst bekommen. Überall waren Kabel, Schläuche, Monitore und Schwenkarme. Der Blick fand nichts, um zu verweilen.
So oder so ähnlich haben wohl die kleinen Patienten das neue Duchleuchtungsgerät in der Haunerschen Universitäts-Kinderklinik in München empfunden. Auf Initiative des Leiters der Radiologie, Prof. Dr. med. Karl Schneider, sollte der Durchleuchtungsraum ansprechender und kindgerechter gestaltet werden.
40 Prozent der kleinen Patienten, die in diesem Raum einer Durchleuchtung unterzogen werden, sind Säuglinge, weitere 40 Prozent sind Kinder bis zu fünf Jahren. Thematisch bot sich also eine Gestaltung im Bereich der Märchen und Kindererzählungen an. Gleichzeitig sollten die Begleitpersonen (Eltern, Großeltern) angesprochen werden. Auch sie sollten den Raum als angenehm und unterhaltend empfinden. Der Raumgestaltung wurde deshalb eine erzählende Handlung zugrunde gelegt, die alle Motive verbindet. Die Alternative wäre gewesen, eine Reihe nicht zusammenhängender Märchenbilder im Raum zu verteilen.
So entstand folgende Idee: Der Raum wird mit den sieben Zwergen aus Schneewittchen bespielt. Als interessante Details dienen naturgetreue Pflanzen- und Blumenabbildungen und kleine verspielte Elemente. So findet sich zum Beispiel ein plastischer Fisch am Haken einer gemalten Angelrute, ein Schmetterling, der sich auf einer Zwergennase ausruht, oder eine Haselmaus, die, vom ganzen Treiben überrascht, aus der Wiese springt. Auf die Idee folgt die Umsetzung. Die Kindergärtnerin und Beschäftigungstherapeutin, Helga Schmelzer, die bei Kindermotiven besonders geschickt im Umgang mit Stift und Papier ist, entwarf die Skizzen für die Wandbilder. Gemeinsam mit dem Arzt, Dr. med. Thomas Schmelzer, wurde anschließend in knapp dreißig Arbeitsstunden der Raum in eine Märchenwelt verwandelt. Das Durchleuchtungsgerät wurde nicht bemalt, um die Anlage jederzeit reinigen zu können. Auch für Wartung und Kontrollarbeiten ist das Gerät frei zugänglich.
Weil die Kinder bei den Untersuchungen hauptsächlich zur Decke schauen, wurde diese als Himmel gestaltet. Als Grundfarbe diente ein helleres Blau, da der Raum bei Untersuchungen oft abgedunkelt ist. Um den Kindern zusätzlich ein Gefühl von Geborgenheit und Ruhe zu vermitteln, wurden am Himmel fluoreszierende Sterne befestigt, die im Dunkeln nachleuchten.
Bei der internen Vorstellung des fertig ausgemalten Raums hatte das Personal der radiologischen Abteilung sichtlich Spaß am Ergebnis der Arbeit.
Am Ende bleibt die neue Maschine. Sie ist groß, sperrig und steht – in einem Märchenland. Wenn man sie da so stehen sieht, stört sie eigentlich nur ein klein bisschen beim Bilderanschauen. Zwischen den Kabeln und Schläuchen, Monitoren und Schwenkarmen lachen einen Zwerge an. Und der Blick findet viel, um zu verweilen. EB

Wandbild hinter dem Monitorschwenkarm


Wandbild an der Stirnseite des Raums


Weitere Informationen zur kindgerechten Darstellung von Krankenhäusern: Dr. med. Thomas Schmelzer, Ferdinand-von-Kobell-Straße 56, 85540 Haar, Telefon: 0 89/ 6 88 32 5 2, Fax: 46 76 98.
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