ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2000Vergangenheit: Vorwände

SPEKTRUM: Leserbriefe

Vergangenheit: Vorwände

Latasch, Leo

Zu dem Beitrag „Ein Denkmal wankt” von Dr. Thomas Gerst in Heft 14/2000:
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LNSLNS So, so, alle Facetten des damaligen Unrechtssystems sollte man sich vor einer Verurteilung des „Denkmals“ anschauen. Was für Facetten möchte der Präsident der Landesärztekammer Thüringen denn untersuchen? Die, nach einer Behandlung durch Herrn Mengele in einer Organbank zu enden oder die, im Rahmen der Euthanasie liebevoll versorgt, mit Barbituraten umgebracht zu werden?
Für weitere Facetten empfehle ich zum Beispiel Michael Katers Buch „Ärzte als Hitlers Helfer“. Danach sind garantiert alle Facetten eingehend beleuchtet worden (vgl. auch die Rezension in Heft 24/2000; die Red.).
Weder die Bundesärztekammer noch die Landesärztekammern haben sich bezüglich der Aufarbeitung der braunen Vergangenheit hervorgetan, ganz im Gegenteil. Und nun kommt eine unabhängige Kommission zu dem Ergebnis, dass Herr Jusuf Ibrahim aktiv in die Tötung von Kindern eingebunden war (lt. Prof. Klaus Dicke). Genau dies ist Euthanasie, falls es dem Präsidenten der Landesärztekammer Thüringen entfallen sein sollte.
Und was macht dieser? Er meint, man sollte dem Zeitgeist nicht huldigen. Welchem Zeitgeist, vielleicht dem, Nazis nicht zu verfolgen, oder dem, im Sinne der Walser-Rede sagen zu können: „Genug mit der Auschwitzkeule?“
Hätten Sie doch nur geschwiegen, dann wären Ihnen, aber auch mir, und vielen anderen Kollegen, die immer noch an der Aufklärung dieser doch schon so alten „Vergehen“ interessiert sind, viele Diskussionen erspart geblieben.
Priv.-Doz. Dr. med. Leo Latasch, Dehnhardtstraße 11, 60433 Frankfurt/Main
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