ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2000Fremdkörperingestionen im Kindesalter: Fremdkörperentfernung in HNO-Kliniken

MEDIZIN: Diskussion

Fremdkörperingestionen im Kindesalter: Fremdkörperentfernung in HNO-Kliniken

Dtsch Arztebl 2000; 97(25): A-1761 / B-1511 / C-1403

Federspil, Pierre

Zu dem Beitrag von Dr. med. Ulf Winkler Prof. Dr. med. Jobst Henker Prof. Dr. med. Edgar Rupprecht in Heft 6/2000
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LNSLNS Als geistiger Urenkel des Begründers der Bronchoskopie, Gustav Killian, gestatte ich mir folgende Anmerkungen zu dem interessanten Beitrag: Die Fremdkörper finden sich am häufigsten in der ersten Ösophagusenge und die beste Röntgendarstellung von Winkler et al. in einer ap und seitlichen Halsweichteilaufnahme besteht. Diese Aufnahmen werden in der HNO-Heilkunde seit langem regelmäßig angefordert, da sie vor allem in den Fällen wesentlich sind, in denen scharfe Gegenstände bereits Verletzungen gesetzt haben, oder auch bei nicht kontrastgebenden Fremdkörpern, die durch eine Verbreiterung der prävertebralen Weichteile oder durch Luftansammlung zu erahnen sind.
In der Checkliste habe ich die Empfehlung vermisst, jegliche Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme zu unterlassen. Außerdem sollte ein Ösophagus-Breischluck in zwei Ebenen wenn kein schattengebender Fremdkörper sichtbar ist, nicht generell empfohlen und die Darstellung des Ösophagus durch ein wasserlösliches Kontrastmittel bevorzugt werden.
Zur Entfernung der Ingestionsfremdkörper im Kindesalter ist es wohl wichtig, dass die behandelnden Kollegen Erfahrungen in der Endoskopie und Anästhesie im Kindesalter haben, jedoch noch wichtiger ist es, dass sie Erfahrungen in der starren und flexiblen Ösophagoskopie und Hypopharyngoskopie besitzen, da die erste Enge, in der die überwiegende Mehrzahl der Fremdkörper sitzt, der starren Ösophagoskopie besser zugänglich ist. Insbesondere spitze, in der ersten Enge eingespießte Fremdkörper sind durch starre Hypopharyngoskope oder Ösophagoskope am schonendsten zu entfernen. Da diese starren Endoskope fast ausschließlich in HNO-Kliniken vorhanden sind, ebenso wie die weiteren notwendigen Spezialgeräte zur Entfernung von Hypopharynx- und Ösophagus- beziehungsweise Kehlkopf-, Tracheal- und Bronchialfremdkörpern, gehören die HNO-Kliniken zur ersten Adresse für die Entfernung dieser Fremdkörper. Darüber hinaus besteht in gewissen Fällen bei nicht schattengebenden Fremdkörpern die Indikation sowohl einer Endoskopie des Hypopharynx und Ösophagus, als auch einer Tracheobronchoskopie, die beide vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt durchgeführt werden können. Auch kann in den seltenen Fällen einer Perforation beziehungsweise Abszedierung im Bereich der ersten Ösophagusenge die kollare Mediastinotomie vom HNO-Chirurgen vorgenommen werden.

Prof. Dr. med. Pierre Federspil
Klinik und Poliklinik für
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
der Universitätskliniken
des Saarlandes
Akazienweg 1
66424 Homburg/Saar

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