ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2000Fremdkörperingestionen im Kindesalter: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Fremdkörperingestionen im Kindesalter: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(25): A-1763 / B-1513 / C-1405

Winkler, Ulf; Henker, Jobst; Rupprecht, Edgar

Zu dem Beitrag von Dr. med. Ulf Winkler Prof. Dr. med. Jobst Henker Prof. Dr. med. Edgar Rupprecht in Heft 6/2000
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LNSLNS Ziel unseres Artikels war es, das Augenmerk der Kollegen einerseits auf potenzielle Risiken und vermeidbare diagnostische Fehler, andererseits auf die kritische Indikationsstellung interventioneller Maßnahmen zu lenken.
Zu Münsterer
Die Entfernung von ösophagealen Fremdkörpern mit einem Blasenkatheter, wie von Morrow et al. beschrieben, lehnen wir wegen der Gefahr der Larynxverlegung ab. Ein Vorschieben eines Fremdkörpers in den Magen mit einem Bougie ist situationsabhängig möglich. Damit ist die Spontanpassage
allerdings nicht garantiert und die Beurteilung der Schleimhaut unterbleibt. Gerade bei Münzen beobachten wir nicht selten bereits nach wenigen Stunden Schleimhautalterationen. Die gezielte Aufklärung der Eltern sollte besser vor der Ingestion erfolgen und war nicht Gegenstand unserer Übersicht.
Zu Federspil
Dass die meisten Fremdkörper in der oberen Ösophagusenge lokalisiert sind, lässt sich an dem von uns untersuchten Patientenkollektiv nicht ablesen, die meisten Ösophagusfremdkörper fanden wir vor der zweiten Enge, also im oberen Drittel des Ösophagus. Wegen der erhöhten Strahlenbelastung bei einer meist doch noch notwendigen Röntgen-Thoraxaufnahme halten wir die primäre Aufnahme nur der Halsweichteile nicht für sinnvoll. Der Hinweis auf die telefonische Anweisung jeglicher Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz ist wichtig und alltagsrelevant. Unter Endoskopie verstehen wir sowohl starre als auch flexible Endoskopie und unter einem erfahrenen Untersucher entsprechend den lokalen Gegebenheiten Pädiater wie Chirurgen, Internisten oder HNO-Ärzte, wenn sie eben die entsprechende Erfahrung und instrumentelle Voraussetzung besitzen. Bei Fremdkörpern oder Verletzungen im Rachen oder Ösophaguseingang halten wir die Hinzuziehung eines HNO-Arztes für selbstverständlich.
Zu Brockstedt
Bezüglich der Ingestion von Knopfzellen haben wir besonders auf die diskrepanten Ansichten in der Literatur hingewiesen. Bei zügiger Passage des Magen-Darm-Traktes ist natürlich keinerlei invasives Vorgehen zu rechtfertigen, allerdings ist beim Verbleiben im Magen über ein bis zwei Tage ein längeres Zuwarten auch nicht sinnvoll, da dann die Wahrscheinlichkeit einer Spontanpassage gering ist (hier handelt es sich offensichtlich ja nicht um ein Größenproblem, sondern um ein Liegenbleiben in den Korpusfalten mit der Gefahr von Schleimhautnekrosen). Bezüglich einer Endoskopie oder stationären Überwachung nach eventuellem Verschlucken von Glassplittern (einem häufigen Vorstellungsgrund) haben wir unserem ausdrücklichen Hinweis auf die besonders kritische Prüfung der Indikation nichts hinzuzufügen. Dass „verschwundene“ Fremdkörper auch in andere Körperöffnungen ebenso wie in der Umgebung des Kindes zu suchen sind, haben wir als selbstverständlich vorausgesetzt.
Abschließend sei auf bedauerliche Konvertierungsfehler in der Grafik 2 hingewiesen, die hier in korrekter Form nochmals abgebildet wird.

Literatur
1. Morrow SE, Bickler SE, Kennedy AP, Snyder ChL: Ballon extraction of esophageal foreign bodies in children. J Pediatr Surg 1998; 33: 266–270.
2. Soprano JV, Mandl KD: Four strategies for the management of esophageal coins in children. Pediatrics 2000, 105 (1).
Dr. med. Ulf Winkler
Prof. Dr. med. Jobst Henker
Klinik und Poliklinik für
Kinderheilkunde
Prof. Dr. med. Edgar Rupprecht
Abteilung Kinderradiologie
Institut und Poliklinik für
Radiologische Diagnostik
Universitätsklinikum C. G. Carus der Technischen Universität Dresden
Fetcherstraße 74
01307 Dresden

Art der Fremdkörper und Lokalisation bei 41 Fremdkörperextraktionen innerhalb von sechs Jahren (1993–1998); eigenes Patientenkollektiv

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