ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1996Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller: Kritik an ABDA-Wunsch nach Qualitätsdatenbank

POLITIK: Aktuell

Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller: Kritik an ABDA-Wunsch nach Qualitätsdatenbank

Dauth, Sabine

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LNSLNS Nach anderen Organisationen hat sich auch der Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller gegen eine Qualitätsdatenbank der Apotheker ausgesprochen. Weitere Themen eines Presseseminars waren die Nachzulassung von sogenannten Alt-Arzneimitteln und das erfolgreiche Geschäftsjahr 1995 für die Hersteller von Präparaten zur Selbstmedikation.


Gegen eine von den Apothekern geplante Qualitätsdatenbank mit Informationen zu Medikamenten hat sich Dr. Mark Seidscheck ausgesprochen. Seidscheck ist Hauptgeschäftsführer des Bundesfachverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH), der Produzenten aus dem Bereich der Selbstmedikationspräparate vertritt. Während eines Presseseminars betonte er, für die Zulassung und Bewertung von Arzneimitteln sei das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zuständig. Der BAH wende sich strikt gegen jede weitere bewertende Institution.
Ende Mai war bekanntgeworden, daß das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) eine Qualitätsdatenbank anlegen wollen. Darin sollen offenbar vor allem kommentierte Daten zur Bioverfügbarkeit und später zur Chargenkonstanz von Medikamenten gesammelt werden.
Der Verband Aktiver Pharmaunternehmen, in dem sich Generikahersteller zusammengeschlossen haben, sprach sich umgehend gegen diese Idee aus. Besonders bedenklich seien Pläne, Bewertungen des Zentrallaboratoriums zur Bioäquivalenz in die Lauer-Taxe aufzunehmen, die offizielle Liste für Arzneispezialitäten. Dies führe zu einer Diskriminierung von Präparaten, die schließlich alle nach geltendem Arzneimittelrecht zugelassen seien.
Klaus Stürzbecher, Präsident der ABDA, hatte die Kritik seinerzeit zurückgewiesen. In Deutschland seien rund 50 000 verschiedene Fertigarzneimittel zugelassen. Teilweise würden mehr als 200 Präparate mit einem Wirkstoff angeboten. Diese Situation sei für Apotheker wie für Ärzte kaum mehr zu durchschauen. Deshalb könne eine Qualitätsdatenbank mehr Transparenz bringen – durch Informationen darüber, welche Produkte therapeutisch gleichwertig und austauschbar seien.
Während des BAH-Presseseminars erläuterte Stürzbecher nun, daß man größtenteils vorhandene Daten für die Qualitätsdatenbank auswerten wolle. Bestimmte Angaben sollten nicht länger allein dem BfArM zur Verfügung stehen, sondern auch Ärzten und Apothekern. Es gebe durchaus Hersteller, die zur Datenweitergabe bereit wären. Nun wolle man auch am Ball bleiben.
Obwohl bislang meist medizinische und arzneimittelrechtliche Argumente angeführt werden, geht es bei der Qualitätsdatenbank nicht zuletzt um ökonomische Interessen. Die Arzneimittelhersteller fürchten um Marktanteile, wenn Präparate nach den Vorstellungen der Apotheker analysiert werden. Diese wiederum handeln keineswegs uneigennützig: Die Billigung der verschreibenden Ärzte vorausgesetzt, könnten sie mit Hilfe einer aussagekräftigen Datenbank ihre Lagerhaltung auf weniger Präparate als bisher konzentrieren und so die Kosten verringern.


AMG-Novelle: Forderungen des BAH
Der BAH nahm darüber hinaus zu weiteren gesundheitspolitischen Themen Stellung. Was die nächste Novellierung des Arzneimittelgesetzes (AMG) anbelangt, so will er sich für einige Vereinfachungen bei der Nachzulassung von Medikamenten einsetzen. Dieses Verfahren ist für Arzneimittel möglich, die schon vor 1976 und damit vor Gültigkeit des AMG auf dem Markt waren. Unter anderem plädiert der BAH dafür, die Verlängerung der Zulassung für "Alt-Arzneimittel" nach fünf Jahren zu ermöglichen. Dies sei nicht selbstverständlich, da die Regelungen bisher als Übergangsvorschriften formuliert sind. Sabine Dauth

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