ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2000Endoskopie: Felix erleichtert das Operieren

VARIA: Technik für den Arzt

Endoskopie: Felix erleichtert das Operieren

Dtsch Arztebl 2000; 97(25): A-1765 / B-1515 / C-1272

Müllges, Kay

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LNSLNS Ein neues endoskopisches System ist jetzt am Forschungszentrum Karlsruhe entwickelt worden; es löst ein bislang störendes Problem. Ein Chirurg benötigte drei Hände, um mit Techniken der minimalinvasiven Chirurgie zu operieren: zwei Hände, um chirurgische Instrumente wie Zangen oder Klammernsetzer zu halten, eine weitere, um das Endoskop mit Lichtquelle und Kamera zu bedienen. Denn neben den eigentlichen chirurgischen Instrumenten muss bei dieser OP-Technik ein Endoskop mit Kamera und Lichtquelle in den Körper eingebracht werden. Positionierung und Führung des Endoskops war bisher Aufgabe eines Assistenten, der die Befehle des Operateurs konzentriert nachvollziehen musste.
Diese Assistentenfunktion soll nun das neuentwickelte Endoskop-Führungssystem „Felix“ übernehmen. „Felix“ wird am Operationstisch befestigt und sorgt für eine präzise und stabile Positionierung des Endoskops. Drei verschiedene Motoren bewegen es in alle Richtungen. Die Motoren steuert der Chirurg über einfache Sprachbefehle und passt damit sein Sichtfeld selbst den jeweiligen Erfordernissen an.
Was sich so leicht anhört, ist keineswegs trivial. „Denn wir mussten eine eigene Sprachsteuerung entwickeln“, erläutert Manfred Selig vom Institut für Medizintechnik und Biophysik des Forschungszentrums in Karlsruhe. „Der Clou: Für diese neuartige Sprachsteuerung ist nicht mehr ein spezifisches Sprachtraining erforderlich. Das Gerät kann so ohne größere Einübungsphase von jedem Chirurgen bedient werden, selbst Dialekteinfärbungen sind kein Problem.“
Die Karlsruher Wissenschaftler haben die Sprachsteuerung übrigens auch mit einem tschechischen Arzt getestet. Ein einfaches Referenzsystem ermöglichte es „Felix“, sich zügig an dessen besondere sprachliche Eigenheiten anzupassen. Gegenüber herkömmlichen Systemen fällt das umständliche Mitführen einer Spracherkennungskarte weg.
Entwickelt wurde „Felix“ für die endoskopische Herzchirurgie in Zusammenarbeit mit dem Herz-Kreislauf-Zentrum der Technischen Universität Dresden. Dort befindet es sich zurzeit auch in der vorklinischen Erprobung. „Wir sind allerdings ziemlich sicher, dass sich das System, seines einfachen modularen Aufbaus wegen, in Zukunft auch für andere endoskopische Operationen einsetzen lässt“, erläutert Manfred Selig die Perspektiven. Kay Müllges
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