ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2000Psoriasis-Therapie: Psorcutan ist ein Multitalent

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Psoriasis-Therapie: Psorcutan ist ein Multitalent

Dtsch Arztebl 2000; 97(25): A-1766 / B-1516 / C-1273

Gabler-Sandberger, Elisabeth

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LNSLNS Epidemiologische Daten aus Familienstudien, Zwillingsforschung und HLA-Screening stützen das Konzept, dass die Schuppenflechte eine multifaktorielle, polygenetische Erkrankung ist. Dies gilt allerdings nach Prof. Enno Christophers (Kiel) nur für die frühe – im Mittel zwischen dem 16. bis 20. Lebensjahr einsetzende – Form der Psoriasis; nicht jedoch für die häufiger mit Einzelherden einhergehende Form, die in der fünften bis sechsten Lebensdekade beginnt und als exogen bedingt angesehen wird.
Die Erkenntnisse der molekulargenetischen Forschung (siehe Kasten) leisten nach Christophers einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung der Ätiopathogenese der Psoriasis und erschließen neue therapeutische Konzepte. Man könne jedoch nicht darauf hoffen, dass für die Schuppenflechte eine Gentherapie entwickelt werden wird.
Wie bei anderen immunpathogenetisch bedingten Erkrankungen sind mikrobielle Triggerfaktoren an der Auslösung der Erkrankung beteiligt. Als klassisches Beispiel führte Christophers den ersten Schub der Erkrankung bei Jugendlichen nach Streptokokkenangina an, wobei das Exotoxin der A-Streptokokken als Superantigen auslösender Faktor ist.
Die Schuppenflechte ist eine chronisch entzündliche Erkrankung mit starker Reaktion der Keratinozyten und der Folge der Hypertrophie der Epidermis und Hyperkeratose. Hinter den Läsionen verbirgt sich eine komplexe immunpathologische Störung. In den Hautläsionen finden sich aktivierte T-Lymphozyten, vorwiegend vom T-Helfer-1-(TH1-) Typ mit dem typischen Zytokin-Sekretionsmuster von proinflammatorischen Zytokinen Tumornekrosefaktor alpha (TNF alpha), Interferon gamma (IFN gamma), Interleukin-2 (IL-2) und IL-8 bei einem Mangel an inhibitorischen Zytokinen wie Interleukin-10 (IL-10). Keratinozyten setzen zahlreiche Mediatoren frei, die wiederum eine Aktivierung der T-Lymphozyten bewirken. Im Gefäßbereich der Läsionen finden sich zahlreiche Marker der endothelialen Aktivierung, einem Korrelat des Auswanderns von Entzündungszellen wie Granulozyten in das Gewebe, sowie Wachstumsfaktoren.
In der Vergangenheit entwickelte Therapien für die Psoriasis beruhten überwiegend auf der Erfahrung. Die auf immunpathologischen Konzepten beruhenden neuen Therapieansätze greifen an zahlreichen Stellen der T-Zell-Regulation an. Neben den unspezifischen immunsuppressiven Medikamenten wie Ciclosporin A, Tacrolimus und Mycophenolat-Mofetil werden nach Prof. Thomas Luger (Münster) neue Medikamente mit gezielter Wirkung entwickelt. Die derzeit bei der rheumatoiden Arthritis geprüften Substanzen Rapamycin und Leflunomid werden in klinischen Studien auch bei Psoriasis eingesetzt. Als sehr vielversprechend bezeichnete Luger Ascomycinderivate, die ähnlich wie Tacrolimus zur Lokaltherapie des atopischen Ekzems angewendet werden.
Bei Psoriasis weisen erste Studienergebnisse auf gute Wirksamkeit einer systemischen Therapie mit Ascomycinen bei deutlich geringerer Toxizität als mit den bisher angewandten Immunsuppressiva hin. Als Gegenspieler der proinflammatorischen Zytokine wurde das Suppressor-Zytokin IL-10 sowohl lokal als auch systemisch mit dem Ergebnis einer signifikanten Remission von Psoriasis-Läsionen eingesetzt.
Molekularbiologische Methoden ermöglichten neue spezifische immunsuppressive Ansätze mit dem Ziel, die für die Immunpathogenese der Psoriasis verantwortlichen T-Zell-Populationen auszuschalten. Eingesetzt werden derzeit monoklonale humanisierte Antikörper oder Fusionsproteine, die gegen spezifische Rezeptoren von T-Lymphozyten gerichtet sind. Als weitere Strategien erwähnte Luger Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten, Neuropeptide, antithyreoidale Thiourelynene und Angiogenese-Antagonisten.
Externe Therapie ausschöpfen
Die Standardtherapie der Schuppenflechte umfasst Medikation mit Externa, Bestrahlung und systemische Therapie mit Immunmodulatoren und Immunsuppressiva. Prof. Wolfram Sterry (Berlin) fordert eine Betreuung der Psoriasispatienten durch einen erfahrenen Dermatologen, der das gesamte Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten überblickt und in der Lage ist, eine auf die klinische und berufliche Situation des Patienten zugeschnittene Therapie zu leiten.
Die Möglichkeiten der externen Therapie sollten so weit wie möglich ausgeschöpft werden. Cignolin hat wegen seiner hohen Wirksamkeit nach wie vor Bedeutung in der stationären Therapie der Psoriasis. Unter weitgehender Vermeidung der Hautverfärbung und Verschmutzung der Wäsche können bei genauer Beachtung der Vorschriften mikroverkapselte Zubereitungen von Cignolin auch im häuslichen Bereich angewendet werden.
Die Gruppe der Vitamin-D-Analoga besitzt nach Sterry hervorragende antipsoriatische Wirkung; die Cigno-lin-Nebenwirkungen – wie Irritationen oder Hautverschmutzungen – fehlen völlig. Das Vitamin D3-Analogon Calcipotriol hat sich den Platz als Marktführer erobert, so Dr. Rolf-Peter Zaumseil (Hamburg). Psorcutan® (Asche AG) liegt als Salbe, Creme und Lösung vor. Die Anwendung kann parallel mit topischen Kortikosteroiden erfolgen, wobei eine mindestens additive Wirkung erzielt wird und es nicht zur Hautatrophie kommt, wie bei alleiniger Kortikoidanwendung.
Bei Patienten, die sich auch einer PUVA-Therapie unterziehen, sollte beachtet werden, dass die Anwendung von Psorcutan erst nach der Bestrahlung erfolgen sollte. Die kumulative Strahlendosis kann bei gleichzeitiger Anwendung von Psorcutan deutlich reduziert werden.
Dr. med. Elisabeth Gabler-Sandberger

Typisches Bild einer Psoriasis vulgaris Foto: Prof. Stadler, Minden
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