ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2000Medizinischer Fakultätentag: Ringen um Konsens

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Medizinischer Fakultätentag: Ringen um Konsens

Dtsch Arztebl 2000; 97(26): A-1777 / B-1501 / C-1401

Clade, Harald

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LNSLNS Die medizinischen Fakultäten bemühen sich um eine klare Position zur Reform des Medizinstudiums, zur Überarbeitung der Kapazitätsverordnungen auf Länderebene sowie zur Neugestaltung des Dienst- und Besoldungsrecht der Hochschullehrer.
Der Ordentliche (61.) Medizinische Fakultätentag, der am vergangenen Wochenende in Erlangen stattfand, umriss die Probleme. Nach einer zunächst zögerlichen Haltung zu dem Entwurf der Bundesregierung für eine Revision der Approbationsordnung für Ärzte, hatte der Fakultätentag im Februar 2000 Zustimmung signalisiert und rasche Verabschiedung noch in dieser Legislaturperiode angemahnt. Ende der vergangenen Legislaturperiode ist der verabschiedungsreife Entwurf auf Widerspruch der Wissenschaftsminister der Länder im Bundesrat zunächst gescheitert. Inzwischen hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer einen erneuten Versuch unternommen, mit den Wissenschaftsressorts der Länder einen Kompromiss zu finden. Der Fakultätentag hat sich energisch gegen eine solche kurzsichtige Gesundheits- und Bildungspolitik gewandt. Kritisiert wurde, dass die ärztliche Ausbildung schon lange nicht mehr „bedarfsgerecht“ sei. Jahr für Jahr steigt die Zahl der approbierten Ärzte um rund 5 000. Mehr als 11 500 Medizinstudenten sind in den Hochschulen eingeschrieben. Zur Bedarfsdeckung würden jedoch 7 000 bis 8 000 ausreichen. Die Bundesregierung beabsichtigt, die Studienbeginner im Fach Medizin um rund 20 Prozent zu reduzieren und die Hochschulkapazitäten daraufhin auszurichten: Die Finanzminister der Länder sollten nach Auffassung des Fakultätentages jedoch daran keine kurzsichtige Sparaktion knüpfen: weniger Studenten, dann auch weniger Geld. Infolge der Überproduktion von Medizinern würden den Länderhaushalten jährlich mindestens 75 Millionen DM entzogen.
Ähnliche Brisanz beinhaltet der Vorstoß, das Personalrecht und das Vergütungssystem in der Hochschulmedizin zu revidieren. Der Fakultätentag mahnt: Die Fakultäten werden gespalten, wenn die Neuregelung Universitätsprofessoren mit ärztlichen und nicht-ärztlichen Aufgaben dienst- und liquidationsrechtlich ungleich behandelt wissen möchte. Dessen ungeachtet wird eine leistungsorientierte Besoldung grundsätzlich unterstützt. Allerdings dürfe sich dies nicht auf die Hochschulprofessoren beschränken, sondern müsse auch für die öffentliche Verwaltung und selbstverständlich auch für die Politiker gelten. Dr. Harald Clade
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