ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2000Forschung mit embryonalen Stammzellen: Spitzfindig

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Forschung mit embryonalen Stammzellen: Spitzfindig

Dtsch Arztebl 2000; 97(26): A-1777 / B-1501 / C-1401

Gerst, Thomas

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LNSLNS Alle Journalisten sollten sich geschmeichelt fühlen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat zur Überprüfung von Projekten im Schwerpunktprogramm „Embryonale und gewebespezifische Stammzellen“ einen Arbeitskreis für ethische Fragen eingerichtet, dem neben Ethikern und Juristen auch Journalisten angehören, „um für Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit Sorge zu tragen“. Dies scheint eine weise und vorausschauende Entscheidung gewesen zu sein, denn es bedarf schon erheblichen kommunikativen Geschicks, den in einem DFG-Projekt vorgesehenen Import embryonaler Stammzellen mit den Vorschriften des deutschen Embryonenschutzgesetzes in Übereinstimmung zu bringen.
Der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe hat kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass im Rahmen des DFG-Programms geplant sei, an humanen embryonalen Zelllinien, die in den USA nach dort geltendem Recht hergestellt wurden, zu forschen. Paragraph 2 des deutschen Embryonenschutzgesetzes lautet: „Wer einen . . . menschlichen Embryo veräußert oder zu einem nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck abgibt, erwirbt oder verwendet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Damit sollte eigentlich alles klar sein. Zwar ließe sich darüber debattieren, ob das seit 1990 in Deutschland geltende Gesetz noch zeitgemäß ist oder ob nicht die rasante Entwicklung bei der Forschung an Stammzellen und deren therapeutischer Nutzen eine Modifizierung des Embryonenschutzgesetzes unerlässlich macht. Spitzfindig ist es allerdings, wenn die DFG behauptet, der Import embryonaler Zelllinien aus den USA sei „nach geltendem deutschem Recht erlaubt“. Genauso wenig kann die vom Staatssekretär im Bun­des­for­schungs­minis­terium, Wolf-Michael Catenhusen, getroffene Unterscheidung zwischen dem verbotenen Import totipotenter und dem zulässigen Import pluripotenter Stammzellen darüber hinwegtäuschen, dass das geplante Projekt dem Geist des geltenden Gesetzes widerspricht. All zu schnell wird sich die Öffentlichkeit in dem Vorurteil bestätigt sehen, dass die Forschung ohnehin alles macht, was möglich ist. Thomas Gerst
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