ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2000Freie Arztwahl: Eingeschränkt gültig

SPEKTRUM: Leserbriefe

Freie Arztwahl: Eingeschränkt gültig

Dtsch Arztebl 2000; 97(26): A-1780 / B-1504 / C-1404

Derichs, Wilhelm J.

Zu der Glosse „Mutterschaftsvorsorge nach Lieschen Müller“ von Dr. med. Martin Hesse in Heft 7/2000:
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LNSLNS . . . Es ist für mich unverständlich und erschreckend, dass es immer noch Kollegen gibt, die unser unseliges Honorierungssystem nicht kennen. Der Berichterstatter dieser sonderbaren Schwangerschaftsbetreuung kann nicht praktizierender Kassenarzt sein, sonst müsste er wissen, dass bei einer Mutterschaftsvorsorge, die von drei Frauenärzten dreifach parallel abgerechnet wird, der Krankenkasse keine Mehrkosten entstehen. Seit Jahren geben die Krankenkassen an die KV einen gedeckelten Honorartopf, der dann von der KV an die Ärzte verteilt wird. Dabei ist es für die Krankenkassen vollkommen uninteressant, wieviel Ärztehände in den Topf greifen, um sich zu bedienen. Im Gegenteil: Eine schwangere Frau, von drei Frauenärzten parallel betreut, ohne Mehrkosten für die Krankenkasse und für die Schwangere – wo auf der Welt gibt es Vergleichbares? Den Honorarverlust haben alle übrigen Frauenärzte des Abrechnungsbereichs durch den Punktwertverfall, falls sich die drei betreuenden Kollegen nicht an die Legende der Mutterschaftsvorsorge (Ziffer 100) erinnern, die besagt, dass die Vorsorge pro Quartal in jedem Fall nur von einem Arzt abgerechnet werden darf.
An der Abrechnungsfähigkeit der Mutterschaftsvorsorge – oder besser – Abrechnungsunfähigkeit zeigt sich, dass das Recht auf freie Arztwahl nur noch eingeschränkte Gültigkeit hat und zur Einbahnstraße geworden ist. Eine Schwangere kann jederzeit den betreuenden Arzt wechseln, aber der weiterbehandelnde Kollege darf für den Rest des betreffenden Quartals seine Mutterschaftsvorsorgeleistung nur als kurative Leistung abrechnen. Im Zuge der Praxisbudgetierung wird wohl kaum ein Kollege am Wechsel einer Schwangeren zu ihm innerhalb eines Quartals interessiert sein.
Dr. med. Wilhelm J. Derichs, Kirchstraße 65, 52499 Baesweiler
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