ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2000Drogenpolitik: Erobert Methadon die Drogenszene?

SPEKTRUM: Leserbriefe

Drogenpolitik: Erobert Methadon die Drogenszene?

Dtsch Arztebl 2000; 97(26): A-1784 / B-1508 / C-1408

Schmoldt, A.; Meyer, L. von; Rießelmann, B.; Klug, E.; Pragst, F.; Kauert, G.

Zu dem Beitrag „Für eine kontrollierte Methadonsubstitution“ von Dr. med. Eva A. Richter in Heft 13/2000:
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LNSLNS Der Drogenbericht 1999 ist in der Form wie er von Dr. Eva A. Richter im DÄ zitiert wird, in wesentlichen Punkten noch zu positiv dargestellt. 323 Todesfälle durch den „Beikonsum“ von Methadon macht zwar formal 17,8 Prozent aller Drogentodesfälle aus, aber die Zahl der Drogentoten beinhaltet auch Todesfälle durch Infektionen, Traumata und Suizid als Folge der Drogenabhängigkeit. Richtiger wäre es, die Todesfälle auf die Zahl der untersuchten, tödlich verlaufenden Drogenintoxikationen zu beziehen. Dann kommt man wahrscheinlich auf weit über 25 Prozent. Nach Untersuchungsergebnissen der rechtsmedizinischen Institute in Hamburg, Frankfurt, Berlin und München ergeben sich für 1998/1999 folgende Prozentzahlen:
Hamburg (1999) 46 Prozent, Frankfurt (1998) 36 Prozent, Berlin (1998) 23 Prozent, München (1999) 15 Prozent.
Noch deutlicher als bereits 1998 führt in Hamburg 1999 Methadon als Todesursache noch vor Heroin (29 Prozent). Betroffen sind vor allem diejenigen Drogenkonsumenten, die nicht mit Methadon substituiert sind und das Methadon auf dem Schwarzmarkt erworben haben. Das Angebot auf dem Schwarzmarkt stammt von substituierten Patienten, die Anteile ihrer Take-home-Dosis „weitergeben“ (es müsste richtig heißen: verkaufen), um dafür bessere Drogen (vor allem Kokain, Heroin und Benzodiazepine) zu erwerben. Substituierte, die so handeln, sind also nicht stabilisiert und benötigen die Take-home-Dosis nicht für eine „normale Lebensführung“. Wer Beikonsum betreibt, ist ein potenzieller Anbieter von Teilen seiner Take-home-Dosis und ist deshalb von der Aushändigung von Methadon auszuschließen. Ärzte, die Patienten Methadon für mehrere Tage überlassen und bei ihnen den Beikonsum dulden oder wegen ausgelassener Kontrolle „übersehen“, verstoßen nicht nur formal gegen die BtMVV, sie machen sich auch mitschuldig an der Entstehung dieses (iatrogenen) Schwarzmarkts mit seinen tödlichen Folgen.
Prof. Dr. med. A. Schmoldt, Institut für Rechtsmedizin der Universität Hamburg, Butenfeld 34, 22529 Hamburg, L. von Meyer, Institut für Rechtsmedizin der Universität München, B. Rießelmann, Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin, Berlin, E. Klug, Institut für Rechtsmedizin der Freien Universität, Berlin, F. Pragst, Institut für Rechtsmedizin der Humboldt-Universtität, Berlin, G. Kauert, Zentrum für Rechtsmedizin der Universität Frankfurt
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