ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2000Prävention: Langfristig für mehr Kindersicherheit

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Prävention: Langfristig für mehr Kindersicherheit

Dtsch Arztebl 2000; 97(26): A-1810 / B-1533 / C-1429

Lehmann, Frank

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LNSLNS inderunfälle sind eine traurige Realität in der täglichen ärztlichen Praxis und in den kinderärztlichen und chirurgischen Abteilungen der Krankenhäuser. Im Kindesalter sterben vom ersten Lebensjahr an mehr Kinder an den Folgen von Unfällen als an Krebs und Infektionskrankheiten zusammen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt, dass jährlich etwa 1,9 Millionen Kinder bei einem Unfall so schwer verunglücken, dass sie einen Arzt aufsuchen müssen beziehungsweise 14 Tage oder länger von den Unfallverletzungen beeinträchtigt sind.
Prävention weist deutliche Erfolge auf
Experten gehen davon aus, dass Kinderunfälle durch präventive Maßnahmen um 30 bis 60 Prozent gesenkt werden können. Dass Unfälle grundsätzlich vermeidbar sind, beweist die Zahl der im Verkehr tödlich verunglückten Kinder, die durch Verkehrsregulierung, Anschnallpflicht und Verkehrserziehung von 2 167 im Jahre 1970 auf 304 in 1997 gesenkt werden konnte – trotz eines Anstiegs der Kraftfahrzeugzahlen von 20,8 Millionen auf circa 50 Millionen. In Schweden, wo 1954 eine später staatliche Organisation für die Prävention von Unfällen und dezentral entsprechende Arbeitskreise in den Gemeinden gegründet wurden, konnte die Zahl tödlicher Kinderunfälle in vier Jahrzehnten auf ein Fünftel gesenkt werden. In den USA wurde auf Initiative des Childrens National Medical Centers in Washington die Safe Kids Campaign gegründet. Inzwischen gibt es 263 regionale Allianzen in allen Bundesstaaten, die die Senkung der tödlichen Kinderunfälle in den USA um 33 Prozent im Verlauf von zehn Jahren unter anderem auf ihre Präventionsmaßnahmen zurückführen.
Angeregt durch die Erfolge der Unfallprävention im Straßenverkehr und angesichts der zunehmenden Unfälle im Heim- und Freizeitbereich, im Kindergarten und in der Schule wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit die Bundesarbeitsgemeinschaft „Kindersicherheit“ (BAG Kindersicherheit) gegründet. Sie hat inzwischen 38 im Bereich der Unfallprävention tätige Verbände und Gruppen als Kooperationspartner gewinnen können. Die Ärzteschaft wird durch die Bundes­ärzte­kammer, den Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, die Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie vertreten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung unterstützt die Initiative.
Wichtigstes Ziel ist eine möglichst breite Verankerung der Initiative in den Ländern und Kommunen:
1. Es sind mehr Informationen über die Unfallhergänge und die regionale Verteilung von Unfällen erforderlich, um gezielt Prävention zu betreiben.
2. Die BAG Kindersicherheit entwickelt einen Leitfaden, der Ärzte und weitere Initiatoren in den Gemeinden bei der Gründung regionaler Allianzen unterstützt.
3. Am 10. Juni fand der 1. Kindersicherheitstag im Rahmen des Düsseldorfer Kinderfestes unter dem Motto „Vorsicht Fallen“ statt. Zukünftig soll dieser Kindersicherheitstag jedes Jahr zu einem Schwerpunktthema durchgeführt werden.
4. Mit dem Experteninformationssystem „Kindersicherheit“ soll den auf dem Gebiet der Kinderunfallprävention arbeitenden Institutionen eine Plattform zur Verbesserung des Erfahrungsaustauschs angeboten werden. Künftig wird sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit auch mit Fragen der Produktsicherheit und des Verbraucherschutzes beschäftigen. Der Ausschuss „Gesund­heits­förder­ung, Prävention und Rehabilitation“ der Bundes­ärzte­kammer bereitet zurzeit einen Bericht „Verletzungen und deren Folgen – Prävention als ärztliche Aufgabe“ im Auftrag des 102. Deutschen Ärztetages 1999 vor, der sich über die Prävention von Kinderunfällen hinaus auf sämtliche Altersgruppen beziehen wird.
Weitere Informationen können im Internet unter www.kindersicherheit.de oder www.bfge.de abgefragt werden.
Literatur beim Verfasser

Dr. med. Frank Lehmann, MPH
Dezernat Fortbildung
und Gesund­heits­förder­ung
Bundes­ärzte­kammer
Herbert-Lewin-Straße 1
50931 Köln

Demonstration: Sturz mit der Lauflernhilfe; Sturzunfälle sind mit 50 Prozent Beteiligung in fast allen Altersgruppen der häufigste Grund für eine Einweisung ins Krankenhaus. Foto: BAG Kindersicherheit
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