ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2000Medizinische Versorgung Ost: Zugespitzt

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Medizinische Versorgung Ost: Zugespitzt

Dtsch Arztebl 2000; 97(27): A-1845 / B-1585 / C-1469

Richter, Eva A.

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LNSLNS Weil Du im Osten lebst, musst Du früher sterben!“ – zu dieser zugespitzten Schlussfolgerung kam Dr. med. Hans-Joachim Helmig, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, angesichts der Ergebnisse der Studie des Zentralinstituts für Kassenärztliche Versorgung (ZI) „Gesundheitszustand und ambulante medizinische Versorgung der Bevölkerung in Deutschland im Ost-West-Vergleich“.
Helmig schießt damit sicher über das Ziel hinaus, Fakt ist jedoch: Die Lebenserwartung der Männer in Ostdeutschland ist um 2,3 Jahre, die der Frauen um 1,2 Jahre geringer als in Westdeutschland. Dies belegt die im Juni fertig gestellte und bisher noch nicht veröffentlichte Studie. Ferner unterscheiden sich die Prävalenzen der „Volkskrankheiten“ deutlich. Die Studie weist vor allem eine höhere Morbidität von Hypertonie, Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes mellitus und Hyperlipidämie, sowie ischämischen Herzerkrankungen in Ostdeutschland nach. Eng damit verbunden ist eine höhere Herzinfarktmorbidität und -mortalität.
„Altlasten“ oder akute Versorgungsdefizite? Über die Ursachen wird derzeit noch debattiert – eines steht jedoch fest: Der Osten hat einen erhöhten medizinischen Versorgungsbedarf. Doch gegenwärtig stehen den ostdeutschen Versicherten für die ambulante Behandlung nur 75 Prozent der Mittel West zur Verfügung (siehe DÄ, Heft 25/2000). Darüber, dass sich die deutliche Benachteiligung ändern muss, sind sich die Vorsitzenden der KVen der neuen Bundesländer einig. Unterstützt von etwa einhundert Demonstranten, überreichte am 28. Juni der Vorsitzende der KV Mecklenburg-Vorpommern, Dr. med. Wolfgang Eckert, der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz in Schwerin die Studie samt einem Forderungskatalog der neuen Länder. Die Mittel je Versicherten müssten auf mindestens 90 Prozent des Westniveaus angehoben werden, heißt es darin.
Die Vorsitzende der Konferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Dr. Martina Bunge, unterstützt die Forderungen, brachte sie in die Konferenz ein und will sie an die Politik weiterleiten. Kommt das den Ärzten nicht bekannt vor? Dr. med. Eva A. Richter
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