ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2000Brustkrebs: Fehlerhafte Analysen

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Brustkrebs: Fehlerhafte Analysen

Dtsch Arztebl 2000; 97(27): A-1890 / B-1595 / C-1490

Karsa, Lawrence von; Junkermann, Hans; Reichel, Margit

Zu dem Beitrag „Brustkrebs-Screening: Die Debatte bleibt ungelöst“ von Rüdiger Meyer in Heft 19/2000:
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LNSLNS . . . In der Zwischenzeit sind sowohl die (im Artikel zitierte, d. Red.) 1999 veröffentlichte schwedische Studie als auch die Studie von Gøtzsche und Olsen von Experten heftiger Kritik unterzogen worden. Es hat sich gezeigt, dass in der schwedischen Studie die Frauen der mammographierten Gruppe und der nicht mammographierten Gruppe teilweise falsch zugeordnet worden sind. Eine inzwischen im Schwedischen Ärzteblatt veröffentlichte Studie von Rosén et al. (Läkartidningen 2000; 97: 294– 99, Läkartidningen 2000; 97: 859–60) konnte bei richtiger Zuordnung der mammographierten Frauen und der nicht mammographierten Frauen eine klare Senkung der Sterblichkeit in den Gegenden, in denen die mammographische Früherkennung ausreichend lange durchgeführt worden ist, nachweisen. Gøtzsche und Olsen, die zwar im Nordischen Cochrane-Zentrum in Kopenhagen arbeiten, aber deren Veröffentlichung kein Cochrane-Report ist (das heißt, die Cochrane-Brust-Gruppe ist mit dieser Arbeit nicht befasst worden), haben die Ergebnisse der randomisierten Studien mit einer rein formalen Argumentation als nicht beweiskräftig bewertet. Sie haben festgestellt, dass bei sechs von acht der randomisierten Studien geringe Altersungleichgewichte zwischen der Studiengruppe und der Kontrollgruppe bestanden. Diese Ungleichgewichte erklären nicht die geringere Sterblichkeit bei den mammographierten Frauen. Sie werden vielmehr von Gøtzsche und Olsen zum Anlass genommen, eine fehlerhafte Durchführung dieser Studien anzunehmen und somit ihre Aussagekraft zu bezweifeln. Erfahrene Epidemiologen gehen jedoch davon aus, dass solche Ungleichgewichte immer zu erwarten sind, wenn statt einer individuellen Randomisierung eine Randomisierung von Gruppen erfolgt. Die Altersstandardisierung ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode um mit diesen Ungleichgewichten umzugehen. Sie wurde bei der Auswertung der in Frage gestellten Studien angewandt.
Aufgrund der Tatsachen, können die fehlerhaften Analysen von Gøtzsche und Olsen bei der Beurteilung der Wirksamkeit des Mammogra-
phie-Screenings künftig außer Acht gelassen werden.
Dr. med. Lawrence von Karsa, Planungsstelle „Mammographie-Screening“ am Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Höninger Weg 115, 50969 Köln, Dr.med. Hans Junkermann, Brustkrebs-Screening-Zentrum Bremen,
Dr. med. Margit Reichel, Mammographie-Screening-Modellprojekt, Wiesbaden / Rheingau-Taunus-Kreis
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