ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2000„Jugend forscht“: Ist Aspartam giftig?

VARIA: Feuilleton

„Jugend forscht“: Ist Aspartam giftig?

Dtsch Arztebl 2000; 97(27): A-1913 / B-1645 / C-1529

Dressler, Günther

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LNSLNS Der Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ fand dieses Jahr zum 35. Mal statt.

Zum Wettbewerb „Jugend forscht“ hatten sich 6 980 Jugendliche aus 16 Bundesländern angemeldet, 180 kamen nach den Regional- und Landes-Ausscheidungen in die Endrunde. Das Finale fand im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn statt, dem größten Computermuseum der Welt. Dort ermittelten 36 Juroren aus Wissenschaft, Wirtschaft und den einschlägigen Fachverbänden die Bundessieger. Zu begutachten waren hundert Projekte aus den Fachgebieten Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik, Technik und Arbeitswelt.
Knifflige Aufgaben
Die jungen Forscherinnen und Forscher (13 bis 21 Jahre alt) beschäftigten sich mit so kniffligen Aufgaben wie „Simulation einer halbautonomen Universalsonde, gesteuert durch ein neuronales Netz“ oder „Erzeugung starker Magnetfelder zur Untersuchung dia- und paramagnetischer Eigenschaften von Materie“. Die Frage, ob es unter Affen Rechts- und Linkshänder gebe, konnte Lena Oesterlin (19) aus Göttingen mit Ja beantworten; sieben von zwölf über längere Zeit beobachtete Tiere gebrauchten bei ein und derselben Tätigkeit nur die linke, fünf die rechte Hand. Timon Pott und Sebastian Sachweh (beide 18) aus Bremen verfolgten die Drift des Eisberges A-38b im antarktischen Weddellmeer; in einem Jahr legte der Koloss 1 100 Kilometer zurück.
Doch auch sehr praktischen Dingen haben die Wettbewerbsteilnehmer nachgespürt: Ist Fast Food denn nun wirklich das „Letzte“? Anja Nitzsche (19), Martin Kalkstein (21) und Kerstin Lardong (20) aus Hamburg fanden heraus, dass hausgemachte Frikadellen sogar stärker mit mutagenen Stoffen belastet sind als Fast-Food-Produkte, weil sie länger und bei höherer Temperatur gebraten werden. Sven Niewiadomski (19) aus Brandenburg untersuchte Spinat auf Nitrat, Nitrit, Ascorbinsäure und Ballaststoffe; er weist nach: Zu intensive Düngung schadet dem Gemüse. Auch zeigen seine Untersuchungen, dass Spinat gesünder ist, wenn man ihn morgens erntet. Thessa Rudolf (20) aus Bremen entwickelte den auf Ultraschall basierenden akustischen Kopfschutz „Vediamolo“ für Blinde. Das unauffällige Gerät lässt sich an fast jeder Kopfbedeckung befestigen und warnt den Träger vor Gefahren in Kopfhöhe. Wie lange verweilt ein Medikament im Körper des Kindes? Michael Rodamer (19), Verena Jakob (18) und Timothy Armstrong (19) aus zwei bayerischen Gymnasien gingen der Sache mit einem (Kinder nicht belastenden) Speicheltest auf den Grund. Als Versuchssubstanzen wählten sie Coffein und Theobromin. Die Versuchsreihen lassen sich pharmakologisch nutzen und dienen der verträglicheren Dosierung von Medikamenten. Schwerpunkte im „Jugend forscht“-Wettbewerb 2000 überhaupt: Gesundheit und Umwelt.
Nur große Mengen schaden
Ist Aspartam giftig? Tatsächlich wird bei Verdauung des Süßstoffs giftiger Methylalkohol freigesetzt. Das fanden Silvia Görlach (16) und Sebastian Frank (17) von der Albert-Einstein-Schule in Schwalbach heraus. Ihre Untersuchungen mit dem Gaschromatografen zeigten aber auch: Nur der Verzehr sehr großer Mengen des Süßstoffs könnte zu Vergiftungen führen. Zum Beispiel mssten ein 75 kg schwerer Mann pro Tag 160, seine 55 kg wiegende Ehefrau 120 Tabletten des Fabrikats Canderel zu sich nehmen, um mit beider Gesundheit zu spielen.
Nina Donner (20) aus Germering untersuchte neun verschiedene Honige, um herauszufinden, wie Licht und Temperatur die bakterielle Hemmwirkung beeinflussen. Selbst Honige, die noch in Verdünnungen von 1 : 1/8 antibakteriell wirkten, verloren schon nach kurzer Erhitzung auf 40° C oder nach zehn Tagen in hellem Licht ihre Hemmfähigkeit. Den Imkern und Fabrikanten ins Stammbuch: Honig kalt schleudern und abfüllen.
Astronomische Uhr
Auch Joghurt nahm die junge Forscherin unter die Lupe. Sie verglich herkömmliche Sorten mit probiotischen (die als besonders gesund gelten). Doch nur einer der untersuchten probiotischen Joghurte entsprach den angezeigten Keimzahlkriterien. Wer seinen Joghurt selber macht, sollte wissen: Mit Fertigfermenten gesäuerte Ansätze vergären den Milchzucker sehr viel langsamer als Kulturen, die mit einem Löffel Joghurt angesetzt werden. Joghurt aus Fertigfermenten schmeckt deshalb milder und bildet weniger Molke.
Die astronomische Uhr der St. Marienkirche in Rostock ist ein Meisterwerk aus dem Mittelalter: Sie zeigt Datum und Uhrzeit an, aber auch Fest- und Feiertage sowie den Stand von Sonne und Mond im Tierkreis. Allerdings nur bis zum Jahr 2017. Dann muss die Kalenderscheibe ersetzt werden. Ingolf Söllig (18), Konstantin Wehrhahn (18) und Juliane Heike (18) vom Rostocker Goethe-Gymnasium wissen, wie die neue Scheibe aussehen msste. Per Computer haben sie das umfangreiche Kalendarium in die Zukunft fortgeschrieben. Günther Dressler

Nina Donner untersuchte Honig und Joghurt.
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