ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2000Erfolgreiche Kontrazeption bei Elefanten: Estrogen-Implants

VARIA: Post scriptum

Erfolgreiche Kontrazeption bei Elefanten: Estrogen-Implants

Dtsch Arztebl 2000; 97(27): [76]

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die Reproduktionsfähigkeit der Elefanten im Krüger-Nationalpark hat Zoologen dazu gezwungen, neue Wege gegen eine Überbevölkerung zu gehen: In einem erfolgreichen Pilotprojekt gelang es, Elefantenkühe via Implantation von Norplant-ähnlichen Estrogenreservoirs für rund zwei Jahre vor „Nachwuchs“ zu schützen.
Obwohl von erheblichen Ausmaßen, bietet der südafrikanische Nationalpark „nur“ Lebensraum für 7 500 bis 8 500 Elefanten; ein jährlicher Zuwachs von 300 bis 600 Tieren erfordert ein Populations-Management. Wie Prof. Heinrich Meyer stellvertretend für eine Forschergruppe aus Berlin, München und Skukuza im Krügerpark ausführte, ist die Langzeitkontrazeption durch
Implants mit 17b-Estradiol eine praktikable Alternative zur bisherigen Praxis des „Culling“ (gezieltes Töten).
Aufgrund der benötigten Gramm-Mengen an Gestagenen für eine erfolgreiche Kontrazeption nutzten die Wissenschaftler den sensitiveren negativen Feedback-Mechanismus mit Estrogenen und implantierten zehn – nach transrektalem Ultraschall nicht graviden – Tieren zum Studienbeginn 1996 jeweils fünf Silikonstäbchen, die zusammen täglich 200 bis
500 µg 17b-Estradiol abgaben. Eines der Tiere stellte sich im Nachhinein als trächtig heraus, 21 weitere dien-
ten als Kontrollen. Ein Jahr später waren sonographisch in der „Kontrazeptionsgruppe“ keine weiteren Gravi-
ditäten festzustellen. Nach
zwei Jahren war eine Ele-
fantenkuh trächtig, in der Kontrollgruppe 20 von 21 Tieren.
Die Downregulation der Ovarien wurde sowohl sonographisch als auch anhand der Gestagenspiegel bestätigt; die Werte des „elefantenspezifischen“ Dihydroprogesterons lagen – ebenso wie die Estrogenkonzentrationen – im physiologischen Bereich von nichtträchtigen Elefantenkühen. Der gleichzeitig aufgezogene und in der Folgezeit geborene „Nachwuchs“ zeigte keine Auffälligkeiten, wie Meyer weiter erklärte.
Die Applikation von Estrogen-Implants stelle damit eine effiziente Methode zur Kontrazeption bei kleinen, wildlebenden Populationen dar. Dr. Renate Leinmüller
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