ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2000Ambulante Versorgung: Hausärzte fühlen sich erneut übervorteilt

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Ambulante Versorgung: Hausärzte fühlen sich erneut übervorteilt

Maus, Josef

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LNSLNS Die harsche Kritik der hausärztlichen Berufsverbände am Bewertungsausschuss von Krankenkassen und Kassenärztlicher Bundesvereinigung schießt übers Ziel hinaus.

Der Brief an die Bundesgesundheitsministerin ist ausgesprochen brisant. Die Gemeinschaft Hausärztlicher Berufsverbände (GHB) beschwert sich bei Andrea Fischer über den Beschluss des gemeinsamen Bewertungsausschusses von Krankenkassen und KBV zur Gliederung der Leistungen in der haus- und fachärztlichen Versorgung vom 20. Juni dieses Jahres (Deutsches Ärzteblatt, Heft 27/2000). Damit habe die Selbstverwaltung einmal mehr bewiesen, „dass man sich an deutsche Gesetze nicht zu halten braucht“, klagt die Gemeinschaft, in der die Berufsverbände der Allgemeinärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie der hausärztlichen Internisten zusammengeschlossen sind.
GHB fordert Fischer zum Eingreifen auf
Der Kern der Kritik: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Krankenkassen haben den gesetzlichen Gliederungsauftrag so umgesetzt, dass im Wesentlichen alles so bleibe, wie es war. Wichtige Positionen der Hausärzte seien nicht berücksichtigt worden – beispielsweise die Bindung bestimmter fachärztlicher Leistungen an eine Überweisung durch den Hausarzt.
In dem Brief an die Ministerin (nachrichtlich an die Spitzenverbände der Krankenkassen und die KBV) werden weitere Forderungen gestellt. Sollte der Bewertungsausschuss seinen Beschluss nicht bis zum August entsprechend ändern, müsse die Bundesgesundheitsministerin eingreifen und von ihrem Aufsichtsrecht Gebrauch machen, verlangen die Hausarztverbände.
Die wütende Attacke der GHB kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung will noch in diesem Jahr den neuen EBM unter Dach und Fach bringen. Ein erneut aufbrechender Konflikt zwischen den Haus- und Fachärzten könnte dabei erheblichen Flurschaden anrichten. Dass ein solcher Konflikt droht, macht die Reaktion des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) auf den Vorstoß der GHB deutlich. „Statt sich wie ein Elefant im Porzellanladen zu gebärden“, heißt es in einer Erklärung des BDI, „sollten sich diese Verbände lieber gemeinsam mit allen anderen Arztgruppen dafür stark machen, dass die Versorgung der Patienten nicht noch weiter gefährdet wird.“
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung begegnet der Kritik der hausärztlichen Berufsverbände betont sachlich. Die Gliederung der Leistungen habe nur auf der Grundlage des noch gültigen EBM erfolgen können. Dies werde auch im Bundesgesundheitsministerium so gesehen. Der von der GHB geforderte Überweisungsvorbehalt könne nicht im EBM geregelt, sondern müsse zunächst im Bundesmantelvertrag rechtlich abgesichert werden. Im Übrigen solle vieles von dem, was die GHB fordere, Bestandteil des neuen EBM sein.
Eine Reaktion des Bundesgesundheitsministeriums auf die Vorwürfe der Gemeinschaft Hausärztlicher Berufsverbände liegt noch nicht vor. Dass Andrea Fischer zum jetzigen Zeitpunkt – wie von der GHB gewünscht – in die Arbeit der Selbstverwaltung eingreift, dürfte aber eher unwahrscheinlich sein. Josef Maus
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