ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2000Bundesinstitut für Arzneimittel: Führungswechsel in unruhigen Zeiten

POLITIK

Bundesinstitut für Arzneimittel: Führungswechsel in unruhigen Zeiten

Dtsch Arztebl 2000; 97(28-29): A-1948 / B-1644 / C-1537

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Anzeichen verdichten sich: Harald G. Schweim soll Alfred Hildebrandt an der Spitze des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ablösen – eine Personalentscheidung, die für weitere Unruhe in der Behörde sorgen wird.

Die Stimmung im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist gereizt. Das Institut hat Schwierigkeiten, seine Aufgaben zu erfüllen, die Kritik an der langsamen Arbeitsweise nimmt zu. Schleppend kommt vor allem die Nachzulassung von Arzneimitteln voran (siehe Kasten). Grund ist ein Mangel an Fachpersonal, der sich sogar noch verschärfen dürfte: Viele Mitarbeiter – insbesondere hoch qualifizierte und erfahrene Pharmaexperten – wollen in die Industrie beziehungsweise zu anderen Bundesbehörden wechseln (oder haben dies bereits getan), weil sie nicht in Bonn arbeiten wollen. Hintergrund: Infolge des Bonn-Berlin-Gesetzes verlagert das Institut seinen Dienstsitz von der Spree an den Rhein, 440 der 850 Beschäftigten arbeiten bereits seit Oktober 1999 in Bonn.
Vorbehalte gegen Schweim
Ende dieser Woche wird eine Personalentscheidung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) für weitere Unruhe im BfArM sorgen: Dann wird Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer bekannt geben, dass BfArM-Direktor Prof. Dr. med. Alfred Hildebrandt seinen Platz räumen muss – zwei Jahre vor der Pensionierung. Ihm nachfolgen soll Prof. Dr. rer. nat. habil. Harald G. Schweim, derzeitiger Leiter des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln und zuvor BfArM-Fachbereichsleiter für Arzneimittelzulassungen.
„Die Mehrheit der leitenden Mitarbeiter ist nicht bereit, unter Prof. Schweim tätig zu bleiben“, sagte ein BfArM-Mitarbeiter dem Deutschen Ärzteblatt. Schweim wollte auf Anfrage nicht bestätigen, dass er in Kürze neben dem DIMDI auch das BfArM leiten wird. Er bejahte aber, im Mai einen Brief an seine DIMDI-Mitarbeiter geschrieben zu haben, mit dem er sich ins Spiel bringt: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, bevor Sie es denn auf anderem Wege erfahren, möchte ich Ihnen – trotz großer Unsicherheit im Detail – dennoch die Information geben, dass Frau Bundesministerin Fischer mich gebeten hat, das BfArM zu leiten“, heißt es dort. Das BMG hält sich noch bedeckt: Er könne frühestens zum Ende dieser Woche Stellung zu diesem Thema nehmen, sagte Arnold Schreiber, Leiter der BMG-Unterabteilung Z 1 „Verwaltung“. Auch Hildebrandt wollte sich nicht zu den Spekulationen um eine Neubesetzung seines Postens äußern.
Arbeitsfähigkeit auf Jahre hinaus eingeschränkt
Durch den Aderlass beim erfahrenen Personal des BfArM ist zu befürchten, dass sich die Zulassungs- und Nachzulassungsdauern für Arzneimittel weiter verlängern und die Zulassungs- und Nachzulassungszahlen weiter zurückgehen werden. Dies könnte negative Folgen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Arzneimittelhersteller haben. In Gefahr ist aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Zulassungsbehörde im Umfeld der europäischen „Konkurrenz“-Behörden. Novellen des Arzneimittelgesetzes, insbesondere die gerade zur Beschleunigung der Nachzulassung beschlossene 10. Novelle, könnten vor diesem Hintergrund nur begrenzt Erfolg haben. Ausgelöst durch den Berlin-Bonn-Umzug und verstärkt durch den beabsichtigten Führungswechsel, wird es Jahre dauern, bis das BfArM auf seinem früheren Niveau arbeiten kann – und auch da gab es schon viel Kritik am Arbeitstempo. Jens Flintrop

Das BfArM-Gebäude an der Friedrich-Ebert-Allee in Bonn. Bis zum Jahr 2003 soll das Institut in einem Neubau an der Kurt-Georg-Kiesinger-Allee sein endgültiges Domizil finden. Foto: BfArM
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