ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2000Präimplantationsdiagnostik: Verunglimpfung deutscher Ethikkommissionen

DOKUMENTATION: Diskussion

Präimplantationsdiagnostik: Verunglimpfung deutscher Ethikkommissionen

Schleyer, Manfred

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LNSLNS Grundlegend falsch, schon im Titel und dann noch mehrfach im Text, ist die angeblich von der modernen Medizin gelehrte Gleichsetzung von „menschlich sein“ mit „Mensch sein“. Spermien, Eizellen und Embryonen des Menschen sind zwar menschlich, aber sie sind noch kein halber oder ganzer Mensch. Diese frühesten Entwicklungsformen menschlichen Lebens haben weder die laut Bibel (Buch Genesis) notwendige Form noch den göttlichen Odem. Wenn die katholische Amtskirche durch ihr Verbieten von Kondom und Pille (und jetzt Präimplantationsdiagnostik) diese Frühestformen schützen möchte, so können (und werden) den Kirchenoberen hierbei selbst von ihren eigenen Gläubigen nur noch wenige folgen.
Auch Embryonen sind mit Sicherheit in den ersten zwei Wochen keine Kinder oder Menschen, weil ein Mensch nicht zu zwei Menschen, der Embryo in diesem Zeitraum aber noch zu eineiigen Zwillingen werden kann – er ist also noch nicht einmal ein In-dividu-um, ein Unteilbares. Zudem ist das typische Schicksal von Embryonen, wie auch von Keimzellen, der frühe Tod: mindestens zwei Drittel sterben vor der Monatsblutung und gehen in der Regel mit der Regel unbemerkt ab.
In unserer Zeit der höchstentwickelten medizinischen Fürsorge für Frühgeborene den Vorwurf der „dumpfen Mentalität . . . für das . . . nicht behinderte und kräftige Leben“ aufzustellen, zeugt von Unkenntnis oder Missachtung. Wird für behinderte Kinder und Erwachsene heute nicht getan, was früher schlicht unmöglich war? Wie hoch war denn in der Zeit vor der heutigen Medizin die Kindersterblichkeit, als die Menschen mit Gebeten und Gottes Hilfe auskommen mussten?
Da Kardinal Meisner die Kollaboration deutscher Ärzte mit dem Nazi-Regime anspricht, so darf daran erinnert werden, dass der Vatikan als erster Staat jene Machtergreifung mit dem Konkordat völkerrechtlich anerkannte und dieser Vertrag immer noch gültig ist . . .
Bemerkenswert auch, dass ein Kardinal zweimal im Namen der Christen redet, obwohl er wissen müsste, dass die meisten christlichen Religionen die extreme Position der katholischen Amtskirche auf dem Gebiet der Fortpflanzung keineswegs zu teilen vermögen . . .

Dr. Manfred Schleyer
Diplom-Biologe, Institutstraße 22,
81241 München-Pasing
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