ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2000Der so genannte Triple-Test: Statistische Zuordnungen korrekt vornehmen

MEDIZIN: Diskussion

Der so genannte Triple-Test: Statistische Zuordnungen korrekt vornehmen

Dtsch Arztebl 2000; 97(28-29): A-1987 / B-1675 / C-1571

Storz, Albrecht

zu dem Beitrag von Dr. rer. nat. Ulrich Sancken in Heft 9/2000
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LNSLNS Der Autor des Artikels argumentiert unlogisch und statistisch unzulässig, indem er Argumente für die Durchführung des Triple-Tests bei über 35-jährigen Schwangeren („Reduktion der Amniozentese-Rate“) zur Begründung für die Durchführung bei unter 35-jährigen Schwangeren heranzieht. In dieser Patientengruppe sieht die Situation allerdings völlig anders aus. Er zeigt damit unfreiwillig die eigentliche Problematik der Diskussion auf und demonstriert wieder einmal, wie oft mit verdrehter Statistik unzulässig begründet wird. Die folgende Argumentation bezieht sich auf die unter 35-jährigen Schwangeren.
Eine Falsch-positiv-Rate von 7,2 Prozent ist unakzeptabel hoch. Immerhin heißt dies, dass jede 14. Schwangere „positiv“ ist. Von diesen hat eine von 98 Frauen ein Kind mit Trisomie 21 (Prävalenz 1:98 bei auffälligem Triple-Test). Die übrigen 97 Frauen sind wochenlang völlig verunsichert und verlieren oft die positive Beziehung zur Schwangerschaft und zum Kind – dies ist ein hoher Preis.
Legt man die Zahlen im Artikel zugrunde (7,2 Prozent unnötige Amniozentesen entsprechend der Falsch-positiv-Rate, ein Prozent eingriffsbedingte Abortrate), heißt das, korrekt verknüpft, dass eine unnötige Abortrate von 0,7 Promille in Kauf genommen wird für eine durch den Triple-Test entdeckte Rate an Trisomien 21 von ebenfalls 0,7 Promille (70 Prozent Detektionsrate bei einer Prävalenz von
1 : 941). Das heißt, für jede „entdeckte“ Trisomie 21 wird ein unnötiger Abort bei einem gesunden Kind in Kauf genommen. Wollen wir das?
Mag sein, dass der Triple-Test bei über 35-jährigen Schwangeren als Amniozenteseersatz einige positive Begründungen hat, nicht jedoch bei den unter 35-Jährigen: Er erhöht die Zahl unnötiger Amniozentesen dra-
stisch und damit die Zahl unnötiger Aborte gesunder Kinder und er schafft massenhaft verunsicherte Mütter mit zum Teil erheblichen psychischen Folgen. Klären wir vor dem Triple-Test über diese Tatsachen auf, wie es unsere ethische und forensische Pflicht wäre?

Dr. med. Albrecht Storz
Frauenarzt
Schuhstraße 4,
72108 Rottenburg

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