ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2000Der so genannte Triple-Test: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Der so genannte Triple-Test: Schlusswort

Sancken, Ulrich

zu dem Beitrag von Dr. rer. nat. Ulrich Sancken in Heft 9/2000
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LNSLNS Die im Leserbrief geäußerte Kritik am Triple-Test ist in einem Punkt, auf den in meinem Artikel aber hingewiesen wurde, sicherlich berechtigt: Bei fehlender Aufklärung vor der Untersuchung und bei fehlendem Verständnis dafür, dass es sich hier um eine Risikopräzisierung und nicht um einen mit „positiv“ beziehungsweise „negativ“ zu bewertenden Test handelt (1), kann die Schwangere erheblich verunsichert werden. Die Statistik wurde, allerdings völlig korrekt und zulässig, aus unseren Labordaten und den Angaben des Statistischen Bundesamtes ermittelt. Meine Argumentation, die sich auf diese statistischen Daten bezieht, wendet sich in einem Vergleich mit der so genannten Altersindikation an die reale Situation pränataldiagnostischer Indikationsstellungen in Deutschland. Ich fasse dies gerne nochmals in einem Satz zusammen: Der Triple-Test entdeckt neben vielen anderen fetalen Anomalien (2) die doppelte Anzahl fetaler Trisomien 21 bei der Hälfte der nach Altersindikation zu erwartenden Amniozentesen. An dieser Argumentation lässt sich nichts „drehen“, wie der Autor des Leserbriefs glaubt, zeigen zu können. Auch ich behaupte, dass die Falsch-positiv-Rate beim Triple-Test zu hoch ist und arbeite im Bereich unserer Labormöglichkeiten daran, diese Situation zu verbessern. Das ist sicherlich sinnvoller, als bei kontinuierlich zunehmender Anzahl Schwangerer über 35 Jahren aus Altersindikation eine Punktion nach der anderen durchzuführen, wohl wissend, dass die mit Abstand meisten fetalen Chromosomenstörungen bei Schwangeren unter 35 Jahren vorkommen und wohl wissend, wie viel mehr eingriffsbedingte Aborte dieses Vorgehen erzeugt. Aus meiner Sicht steckt daher der Frauenarzt in einem Dilemma, der aus Tradition, aus forensischer Absicherung oder um der Schwangeren Ängste zu ersparen, die Altersindikation dem Triple-Test vorzieht. Wenn eine Schwangere ihr Risiko für ein Kind mit Down-Syndrom konsequent wissen will, empfiehlt sich der Triple-Test deutlich vor der einfachen Mitteilung des Altersrisikos. Wichtig ist dabei nur, ob sie es wissen will. Das wiederum liegt allein in der Entscheidungsfindung der Schwangeren, bei der man ihr helfen kann, sie aber nicht beeinflussen darf.

Literatur
1. Pauer HD, Ranskolb R: Blutuntersuchung bei Schwangeren zur pränatalen Risikopräzisierung für Chromosomenanomalien und Neuralrohrdefekte (Triple-Test). Der Frauenarzt 1999; 40: 518–520.
2. Sancken U, Bartek I: Der sogenannte Triple-Test:
Ergebnisse und Erfahrungen aus einer 10-jährigen Laborroutine. Reproduktionsmedizin 1999; 15: 76– 284.

Dr. rer. nat. Ulrich Sancken
Institut für Humangenetik der
Georg-August-Universität Göttingen
Heinrich-Düker-Weg 12
37073 Göttingen

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