ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2000Göttinger Gruppe: Zoff mit der Aufsicht

VARIA: Schlusspunkt

Göttinger Gruppe: Zoff mit der Aufsicht

Dtsch Arztebl 2000; 97(28-29): [76]

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LNSLNS Anwälte, die sich von Berufs wegen mit Finanzhaien rumschlagen, bekommen in diesen Tagen immer häufiger den Namen der Göttinger Gruppe zu hören. Täglich nämlich melden sich Kunden dieses Finanzdienstleistungskonzerns und haben nur noch eines im Sinn: irgendwie raus aus den möglicherweise dubiosen Securenta-Rentensparplänen für die Altersvorsorge.
Der Run auf anwaltlichen Beistand hat freilich auch seine Gründe. Langsam nämlich dämmert vielen Sparern, dass sie sich unter Umständen auf eine finanziell tickende Zeitbombe eingelassen haben. Bei der SecuRente und den Pensionssparplänen wird der Anleger für die Dauer zwischen zehn und 40 Jahren stiller Gesellschafter verschiedener Firmen. Während der Ansparphase fallen Verluste an, die steuerwirksam geltend gemacht werden können. Die angesparte Summe soll dann später als Monatsrente oder in einer Summe ausgezahlt werden. So weit die Theorie.
In der Praxis aber laufen Verbraucherschützer schon lange Sturm gegen das System der Göttinger Gruppe. Dahinter stecke letztlich ein modifiziertes Schneeballsystem, bei dem Auszahlungen eben nur durch frisches Geld neuer Anleger finanziert werden könnten.
Prominenten Beistand erhalten die Verbraucherschützer durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Im Mai setzte sogar dessen Präsident Artopoeus beim niedersächsischen Justizminister Wolf Weber Ermittlungen gegen die Göttinger Gruppe durch. Die Vorwürfe klingen hart: Untreue, Betrug und Kapitalanlagebetrug. Auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt in ähnlicher Weise. So nimmt es denn auch nicht wunder, dass mittlerweile auch manche Finanzämter Verlustzuweisungen nur noch unter Vorbehalt erteilen.
Viele Anleger suchen derzeit ein Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorzuziehen. Das funktioniert anscheinend auch in einigen Fällen, wie der Göttinger Anwalt Jürgen Machunsky weiß. Der Jurist hat mit der Göttinger Gruppe für seine Mandanten Vergleiche abgeschlossen, bei denen immerhin mehr als die Hälfte der eingezahlten Gelder zurückflossen. Machunsky jedenfalls bevorzugt anscheinend diesen Weg anstelle einer langwierigen juristischen Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang.
Andere Anwälte sehen allerdings auch die Möglichkeit, mit mehr als einem blauen Auge aus der Sache wieder rauszukommen. Der Düsseldorfer Anlegeranwalt Michael Kehl und Klaus Seimetz aus Ottweiler prüfen, ob nicht eine Rückabwicklung der Verträge möglich sein könnte.
Welchen Weg auch immer die betroffenen Anleger wählen werden, Zorn und Ärger dürften ständige Begleiter sein. Der entscheidende Fehler wurde freilich ganz am Anfang gemacht. Mit der Unterschrift unter ein fragwürdiges Beteiligungsmodell.
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