ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1996Zur Serie: Diabetische Neuropathie Klassifikation, Epidemiologie, Prognose und sozialmedizinische Bedeutung

MEDIZIN: Diskussion

Zur Serie: Diabetische Neuropathie Klassifikation, Epidemiologie, Prognose und sozialmedizinische Bedeutung

Gries, Arnold; Ziegler, Dan; Ewers, Hendrik

Zu dem Beitrag von PD Dr. med. Dan Ziegler und Prof. Dr. med. Friedrich Arnold Gries in Heft 11/1996
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LNSLNS Leider nicht Realität
Der Autor geht im letzten Teil seiner Ausführungen auf die sozialmedizinische Bedeutung diabetischer Neuropathien ein und wagt abschließend die Aussicht, daß durch Diabetes-Fuß-Sprechstunden, Schulung und Fußpflege die WHO-Forderung, die Amputationsrate in fünf Jahren zu halbieren, erfüllt werden könne. In der Tat wird das Recht des Diabetikers auf eine adäquate Schulung in der Saint-Vincent-Deklaration der WHO erwähnt, und in der zwei Jahre später entstandenen Saint-José-Deklaration von 1991 wird sogar die Einrichtung von Schulungsprogrammen auf kommunaler Ebene gefordert und empfohlen. Allerdings stellt sich nun, fünf Jahre nach dieser Erklärung, doch die Frage, ob das oben erwähnte Ziel erreicht ist. Die Realisierbarkeit der WHO-Forderungen scheitert meines Erachtens an der Finanzierbarkeit und nicht zuletzt am Kompetenzgerangel der in Therapie und Schulung involvierten Disziplinen. In wie vielen deutschen Schulungseinrichtungen ist denn das Prinzip der Interdisziplinarität realisiert, das schon 1982 von Assal, Gfeller und Ekoe gefordert wurde und das nicht nur Professionen wie Diätassistenten, Ärzte und Fußpfleger berücksichtigt?


Dipl.-Soz.-Päd., stud. med.
Hendrik Ewers
Schillerstraße 51
44147 Dortmund


Schlußwort
Herrn Dipl.-Soz.-Päd. stud. med. Ewers ist dafür zu danken, daß er unseren Hinweis auf die St.Vincent-Deklaration aufgegriffen hat. Er hat recht mit seiner Frage, ob es gelungen sei, die Ziele der SVD umzusetzen. Wir wissen nicht, ob in Deutschland in den Jahren seit 1989 die Anzahl der Amputationen bei Diabetikern halbiert werden konnte. Unsere Unkenntnis ist vor allem in einem eklatanten Mangel an epidemiologischen Daten begründet. Immerhin gibt es zwei beachtenswerte Untersuchungen, in denen versucht wurde, die Ausgangslage an repräsentativen Populationen zu erfassen (1, 2). Wenn in Kürze Nachuntersuchungen an diesen Populationen stattfinden, werden wir hoffentlich den Hinweis erhalten, daß die deutsche Diabetologie auf diesem Gebiet Erfolge erzielen konnte. Sollten diese hinter den Erwartungen zurückbleiben, darf man dafür aber nicht an erster Stelle Finanzierungsprobleme oder Kompetenzgerangel der Fachdisziplinen anschuldigen. Wichtige Vorbeugemaßnahmen wie die Aufklärung der Diabetiker, Fußpflege, regelmäßige Inspektion durch Fachkräfte, Prüfung der Pallästhesie, der Reflexe und des Gefäßstatus sind keine kostentreibenden, aber effektive Maßnahmen. Für Kompetenzgerangel gibt es glücklicherweise keinen vernünftigen Grund, und es ist offensichtlich die große Ausnahme. Schon eher könnte man beklagen, daß es in Deutschland keine Ausbildung zum Podiatristen gibt. Wir sind der Ansicht, daß der entscheidende Fortschritt durch ein besseres Angebot an interdisziplinären Fußsprechstunden erzielt wird. Auf diesem Gebiet ist in Deutschland zwar in letzter Zeit viel erreicht worden, aber wir sind immer noch weit von einer flächendeckenden Versorgung aller Diabetiker entfernt. Unser Hinweis auf die Problematik ist als Aufruf zu verstehen, vermehrt Fußsprechstunden einzurichten, und wenn immer dies standesrechtlich möglich ist, die Existenz solcher Sprechstunden auch publik zu machen.


Literatur:
1. Standl E, Mendler G, Zimmermann R, Stiegler H: Zur Amputationshäufigkeit von Diabetikern in Deutschland. Diab Stoffw 1996; 5: 29–32
2. Trautner C, Haastert B, Giani G, Berger M: Incidence of lower limb amputations and diabetes. Diabetes Care 1996; 19: im Druck


Prof. Dr. med. F. Arnold Gries
Priv.-Doz. Dr. med. Dan Ziegler
Diabetes-Forschungsinstitut an der
Heinrich-Heine-Universität
Auf’m Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

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