ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1996Pauschalreiserecht: „Sicherungsschein“ wirkt erst später

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Pauschalreiserecht: „Sicherungsschein“ wirkt erst später

Büser, Wolfgang

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LNSLNSLNSLNS Das neue Recht für Pauschaltouristen, das bei Zahlungsunfähigkeit des Reiseveranstalters Geldverluste ausgleichen soll, hat seine Tücken. Denn der von den Reisebüros seither ausgestellte "Sicherungsschein" schützt keineswegs sofort, wenn Urlauber am Urlaubs-ort von der Pleite eines Veranstalters überrascht werden. Sie müssen vielmehr selbst dafür sorgen, wie sie klarkommen. Das heißt:
1Organisation des weiteren Aufenthaltes im Hotel (mit der Begleichung einer regelmäßig höheren Rechnung, als der Reiseunternehmer sie zu begleichen gehabt hätte) – wenn nicht sofort die Heimreise angetreten wird.
1Rückflug in Eigenregie (notfalls per "Linie") – mit den entsprechenden Kosten.
Zu Hause angekommen, wartet dann die zweite Überraschung: Die Versicherung oder der ReisepreisSicherungsverein nehmen von dem unangenehmen Vorfall zwar Kenntnis, zahlen jedoch (noch) nicht. Das Gesetz räumt ihnen ein, erst dann zu zahlen, wenn feststeht, daß die gesetzlich festgelegten Haftungshöchstbeträge nicht überschritten werden:
1Die Versicherung/der Sicherungsverein können ihre Haftung für alle durch die versicherten Reiseveranstalter zu erstattenden Beträge beschränken. Für die Zeit von November 1995 bis Oktober 1996 ist der Höchstbetrag, der aufgrund der ausgegebenen Sicherungsscheine nicht überschritten werden muß, 100 Millionen DM. Für den Zeitraum November 1996 bis Oktober 1997 sind es 150 Millionen DM, bevor ab November 1997 die Endstufe von 200 Millionen DM erreicht ist.
Da aber niemand im voraus weiß, wie viele Konkurse die Reisebranche heimsuchen, sammeln die Sicherungsschein-Garanten zunächst die Ersatzansprüche und stellen die Höhe fest. Gezahlt wird aber frühestens im November 1996 für Pleiten aus November 1995 bis Oktober 1996.
Im Klartext: Die fast 600 Deutschen, die sich vor kurzem einem gestrandeten Schweizer Veranstalter anvertraut hatten und Gerling-versichert in den Urlaub gefahren waren, wurden von der Versicherung (schon aus Eigeninteresse) an den Ferienorten in der Dominikanischen Republik beziehungsweise in Ägypten zwar betreut, um sie möglichst kostengünstig in die Heimat zurückzubringen. Doch neben den damit verbundenen Unannehmlichkeiten hatten sie den Rückflug erst einmal zu bezahlen und müssen nun bis zum Winter warten, bis sie das Geld zurückbekommen. Dann ist nicht einmal sicher, daß der volle Betrag ersetzt wird. Sollten mehr als 100 Millionen DM (aus den Konkursen aller abgesicherten Reiseveranstalter) zusammenkommen, dann wird nur anteilig erstattet.
Dr. Hans-Werner Eckert vom Bundesjustizministerium: "Aus versicherungstechnischen Gründen war es erforderlich, das Gesamthaftungsrisiko zu begrenzen. Doch hat bisher noch jeder Urlauber sein Geld zurückbekommen." Wenn auch nach einer "Warteschleife" von bis zu einem Jahr . . . Wolfgang Büser
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