ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2000Altenpflege: Schärfere Kontrollen

SEITE EINS

Altenpflege: Schärfere Kontrollen

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): A-2061 / B-1781 / C-1657

Clade, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Bundesregierung will über vier Gesetzesinitiativen die Qualität vor allem in der stationären Altenpflege verbessern, und zwar sowohl des Pflegepersonals als auch der Einrichtungen, speziell der Pflegeheime. Mit einem Heimbewohnerschutzgesetz, einem Pflege-Qualitätssicherungsgesetz, einem Ambulanten-Dienste-Gesetz sowie einem bereits vom Bundestag gebilligten Altenpflegegesetz sollen die Rechte und die Lage der zumeist älteren Pflegebedürftigen, sich häufig schlecht behandelt fühlenden Menschen, verbessert werden. In der Tat, hier liegt manches im Argen, zumal die zum 1. Januar 1995 gestartete gesetzliche Pflegeversicherung Handlungsbedarf bei der Qualitätssicherung der Pflegeheime und der boomenden „Pflegeindustrie“ erkennen lässt, nicht so sehr bei den Finanzierungs- und Anpassungsmodalitäten. Reformstau und Handlungsbedarf werden sowohl vom Bundesfamilien- und Seniorenministerium als auch vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium eingeräumt.
Den Sprechern der gesetzlichen Pflegekassen sind die Anforderungen und die Regulative des Pflege-Qualitätssicherungsgesetzes (Entwurf) noch nicht weitreichend genug. Ebenso haben die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) und der Interessenverband der Altenheimebewohner (Biva) letzte Woche in Berlin gefordert, die Entwürfe in entscheidenden Punkten nachzubessern, um den Bedarf und die Wünsche der Betroffenen besser zu berücksichtigen. Pflegeskandale, Machenschaften bei der Finanzierung privater Pflegedienste, Missstände in Heimen und die mangelhafte Qualifikation von Leitungen und Einrichtungen der stationären Heimpflege müssten Politik wie Verantwortliche zum energischen Handeln und Durchgreifen mahnen. Der Tenor der Kritik: Die Aufsicht über Alten- und Pflegeheime und die unangemeldete Prüfung und Kontrolle vor Ort müssten auf gesetzlicher Basis erweitert und verschärft werden. Dazu seien Standards für eine umfassende Pflege und Betreuung notwendig; Mindestleistungen müssten verankert werden. Ob allerdings erweiterte Prüfrechte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen hier konfliktlösend wirken können, ist fraglich, denn diese sind in erster Linie die Vertreter der zahlungsverpflichteten Pflegekassen und oftmals aufs Sparen versessen. Dr. rer. pol. Harald Clade
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema