ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2000Allgemeinmedizin: Noch keine Trendumkehr

POLITIK

Allgemeinmedizin: Noch keine Trendumkehr

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): A-2076 / B-1760 / C-1656

Clade, Harald; Pilartz, Heinz

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LNSLNS Seit einigen Jahren ist politisch beabsichtigt, eine Trendumkehr bei
den relativen Anteilen der Allgemeinärzte und der Fachärzte zugunsten
der Allgemeinärzte zu erzielen. Aus der aktuellen Ärztestatistik
lässt sich eine solche Verschiebung der Zahlen noch nicht erkennen.

Auch im Jahr 1999 hat die Zahl der Fachärzte im Vergleich zu den Allgemeinärzten stärker zugenommen. Im Gesamt aller berufstätigen Ärzte dominiert immer noch die Gruppe der Fachärzte die der Allgemeinärzte und praktischen Ärzte. Aus der aktuellen Statistik der Bundes­ärzte­kammer, Köln, ergibt sich sogar eine relative Verlagerung zugunsten der Spezialisten. Im Einzelnen:
Höherer Zugang bei den Fachärzten
Von 1995 bis 1999 hat sich die Zahl der allgemeinmedizinisch tätigen Ärzte (praktische Ärzte, Allgemeinärzte) in Deutschland von 27 957 auf 43 136 (Stichtag: 31. Dezember 1999) erhöht; dies entspricht einem Zugang um 15 179 Ärztinnen und Ärzten innerhalb von 14 Jahren. Die Zahl der Fachärzte stieg von 25 346 (1975) auf 64 226 Ärzte, also um 38 880 Ärztinnen und Ärzte, mithin mehr um das Doppelte.
Die Allgemeinmediziner hatten im Jahr 1975 einen Anteil von 52,4 Prozent, gemessen an allen niedergelassenen berufstätigen Ärzten, die Fachärzte hingegen einen Anteil von 47,6 Prozent.
Der Anteil der allgemeinmedizinisch tätigen Ärzte ist Ende 1999 auf 40,2 Prozent zurückgegangen. Dagegen stieg der Anteil der Spezialärzte auf 59,8 Prozent. Innerhalb eines Zeitraumes von 24 Jahren gab es zwar einige statistische Schwankungen, im langfristigen Trend jedoch stellte sich eine kontinuierliche Abnahme des relativen Anteils der Allgemein- und praktischen Ärzte an der Gesamtzahl aller Ärzte ein.
Im Vergleich 1999 gegenüber dem Jahresende 1998 ergab sich folgendes Bild: Die Zahl der Allgemeinärzte und praktischen Ärzte ist um 229 Ärzte
(–0,5 Prozent) gesunken, wohingegen die Zahl der Fachärzte im gleichen Zeitraum um 1 409 Ärzte gestiegen ist (+2,2 Prozent). Der Anteil der Fachärzte an der Gesamtzahl aller niedergelassenen Ärzte ist gegenüber dem Jahresende 1998 um 0,6 Prozentpunkte gewachsen. Demgegenüber sank der Anteil der Allgemein- und praktischen Ärzte an der Gesamtzahl aller niedergelassenen Ärzte um 0,6 Prozentpunkte.
In den neuen Ländern ergab sich im Neun-Jahres-Zeitraum folgendes Bild: 1990 (nach der Wiedervereinigung) wurden in den neuen Bundesländern 40 143 Allgemein- und praktische Ärzte registriert. Deren Zahl erhöhte sich zum Jahresende 1999 auf 51 200 Ärztinnen und Ärzte. Der relative Anteil an der Gesamtzahl der ambulant tätigen Ärzte verringerte sich im gleichen Zeitraum von 43,5 auf 40,7 Prozent (also um 2,8 Prozentpunkte). Die Zahl der Fachärzte, die im ambulanten Bereich berufstätig sind, erhöhte sich zwischen 1990 und 1999 von 52 136 Ärzten auf 74 701 Ärztinnen und Ärzte. Der Anteil erhöhte sich von 56,5 auf 59,3 Prozent.
Im vergangenen Jahr ergab sich folgende Entwicklung: Die Zahl der Allgemein-/praktischen Ärzte sank um 238 Ärztinnen und Ärzte (–0,6 Prozentpunkte). Die Zahl der Spezialisten wuchs um 1 598 (+0,6 Prozentpunkte). Seit 1994 hat die Zahl der Ärzte zugenommen, die sich als langjährig tätige praktische Ärzte aufgrund einer Übergangsregelung in der novellierten Weiter­bildungs­ordnung bei den zuständigen Ärztekammern haben umschreiben lassen. Dieser Trend hat sich auch im Jahr 1999 fortgesetzt. Der Anteil der Allgemeinärzte an der Gruppe der Allgemein-/praktischen Ärzte stieg im vergangenen Jahr von 65,3 auf 67,4 Prozent. Dagegen nahm die Zahl der praktischen Ärzte von 12 410 auf jetzt 11 409 (–2,1 Prozentpunkte) ab. Damit ergab sich zum 31. Dezember 1999 eine Relation von 23 604 Allgemeinärzten zu 11 409 praktischen Ärzten.
In den nächsten acht Jahren wird weiter mit altersbedingten Abgängen aus der Gruppe der allgemeinärztlich tätigen Ärzte von rund 3 700 Ärzten zu rechnen sein, prognostiziert die Bundes­ärzte­kammer. Die Zwangsausscheidegrenze ab vollendetem 68. Lebensjahr gilt seit dem 1. Januar 1999. Weil erwartet wird, dass auch Ärzte vor dem 68. Lebensjahr vermehrt aus dem Beruf ausscheiden werden, dürfte sich die voraussichtliche Berufsausscheidequote in den kommenden Jahren bei rund zehn Prozent einpendeln.
Berücksichtigt man die praktischen Ärzte, die in den nächsten fünf bis acht Jahren altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden werden, dürfte sich die Ausscheidequote auf 12 Prozent erhöhen (absolut: rund 5 200 Ärzte). Der Anteil der ausscheidenden Fachärzte liegt mit 13,1 Prozent (9 791 Ärzten) in der Altersgruppe der über 60 Jahre etwas höher als die der allgemeinärztlich tätigen Ärzte. Mithin ist auch bei den Spezialärzten mit relativ hohen altersbedingten Ausscheidequoten in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu rechnen. Diese Entwicklung dürfte jedoch aufgrund der überdurchschnittlich hohen Zuwachsraten in den kommenden Jahren ausgeglichen werden.
Bei der jüngeren Altersgruppe (bis zu 34 Jahren) stehen sechs Prozent Allgemeinärzten und praktischen Ärzten 2,1 Prozent Spezialärzte gegenüber. Dies scheint ein Indiz dafür zu sein, dass sich der ärztliche Nachwuchs zunehmend für den Beruf des weitergebildeten Allgemeinarztes entscheidet. Dr. rer. pol. Harald Clade


In den Jahren 1990 bis 1999 hat es kaum Verschiebungen zwischen Allgemein- und Spezialärzten gegeben. Quellen: Bundesarztregister der Bundes­ärzte­kammer, Köln; Statistiken der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Köln, Mai 2000. – Knappe, Neubauer, Seeger, Sullivan: Die Bedeutung von Medizinprodukten im deutschen Gesundheitswesen, Frankfurt/Main, Mai 2000, Seite 54
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