THEMEN DER ZEIT

USA: Krebsraten gesunken

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): A-2089 / B-1770 / C-1580

Maes, Hans-Joachim

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LNSLNS Weiterhin sind markante Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen zu beobachten.

Die Krebshäufigkeit und Krebstodesfälle gehen in den USA seit 1990 kontinuierlich zurück. Dies gilt für multiple ebenso wie für die zehn häufigsten Krebserkrankungen. Das ist die Aussage des am 15. Mai in der Zeitschrift „Cancer“ veröffentlichten Jahresberichtes der fünf mit der Beobachtung beauftragten Institutionen („National Cancer Institute“ mit seinem SEER-Programm, „American Cancer Society“, „North American Association of Central Cancer Registries“, „Center for Disease Control“ und dem dort integrierten „Center for Health Statistics“).
Der Bericht zeigt, dass die Inzidenzrate ebenso wie die Todesrate seit 1990 bis 1997 pro Jahr um durchschnittlich 0,8 Prozent abgenommen hat. Im Bericht wurden die Daten für verschiedene ethnische Gruppen erhoben und ausgewertet; es ergaben sich große Differenzen zwischen den Populationen. Unverändert machen die Krebserkrankungen der Lunge und Bronchien, der Prostata, Brust, von Colon und Rektum 54 Prozent aller neuen Krebserkrankungen aus; sie sind auch die hauptsächlichen Todesursachen bei allen ethnischen und rassischen Gruppen. Der Bericht erfasst auch langfristige Trends in den Jahren ab 1950 bis 1997. Die Überlebensraten waren abhängig vom Zeitpunkt der Entdeckung der Erkrankung. Während beim kolorektalen Karzinom im Stadium I die Fünf-Jahres-Überlebensrate 96 Prozent betrug, fiel sie beim Stadium IV auf nur fünf Prozent.
Interessant ist die Entwicklung der Lungen- und Bronchialkrebs-Inzidenzen. Bei weißen Männern waren die Inzidenzen zwischen 1973 und 1980 stetig angestiegen, blieben dann auf dem Niveau von 1980 und gingen nach 1991 stetig zurück. Bei schwarzen Männern war ein Anstieg bis 1984 zu beobachten, dann ein stetiger Rückgang. Die Todesraten gingen für weiße Männer ab 1980, für schwarze Männer ab 1982 zurück, ebenfalls ab 1990 für beide Gruppen. Zu beobachten war eine fortschreitende Verlangsamung des Anstiegs der Todesraten für weiße und schwarze Frauen.
Die Autoren sind der Auffassung, dass sowohl das Screening als auch verbesserte Behandlungstechniken zum Rückgang beigetragen haben. Dennoch bleiben Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen markant. So sind Inzidenz und Mortalität bei schwarzen Männern und Frauen höher als bei den anderen Bevölkerungsgruppen. Man hofft, dass effizientere Screening-Verfahren und erleichterter Zugang zur Behandlung künftig die Disparitäten verringern werden.
Die Qualität der Daten ist vorzüglich. Das „SEER“-Programm („Surveillance, Epidemiology, and End Results“) wurde 1973 begonnen. Gegenwärtig werden aus fünf Bundesstaaten und sechs Großstädten bevölkerungsbezogene Erhebungen durchgeführt, das heißt, jeder dort auftretende Krebsfall wird erfasst. Etwa 14 Prozent der US-Bevölkerung sind damit unter Beobachtung; die ebenfalls einfließenden Daten der „North American Association of Central Cancer Registries“ erfassen nahezu 50 Prozent der Bevölkerung. Die SEER-Daten – Informationen über mehr als 2,5 Millionen Krebserkrankungen, zu denen jährlich etwa 160 000 neue Fälle hinzukommen – sind jedem Interessenten kostenfrei zugänglich. Sie bieten ein sehr differenziertes Bild, vor allem auch viele ausgefeilte technisch-statistische Mittel zum Umgang mit den Daten. Im Unterschied zu manchen untauglichen Verfahren in anderen Teilen der Welt sind die Techniken von SEER nachvollziehbar beschrieben, auch statistische Verfahren der Hypothesenbildung.
All dies und viel mehr ist auf der „Public-Use CD-ROM“ „SEER 1973–
1997“ enthalten.
Wer die kostenfreie CD bestellt (www.seer.cancer.gov/), muss ein Faxformular ausfüllen und die Nutzungsbedingungen anerkennen. Im Wesentlichen dienen diese dem Datenschutz, denn aufgrund des in den USA für vorrangig erachteten Forschungszweckes sind die Daten detailliert erfasst. Nur so sind die exakten Aussagen möglich geworden. Hans-Joachim Maes

Fünf-Jahres-Relative-Überlebensrate, 1989 bis 1996, Männer und Frauen, aus dem SEER-Report, Programm 2000
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