ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2000Vergangenheit: Verhöhnung der Opfer

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Vergangenheit: Verhöhnung der Opfer

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): A-2094 / B-1775 / C-1585

Emmrich, Jürgen

Zu dem Interview mit Prof. Dr. med. Eggert Beleites „Das Problem ist ja nicht weg aus unserer Zeit“ in Heft 27/2000:
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LNSLNS Mich haben die Äußerungen von Prof. Beleites erschüttert, man dürfe die DDR und das Dritte Reich nicht miteinander vergleichen, da es keine Vernichtungslager gegeben habe. Insofern sei das DDR-Regime harmlos gewesen und auch nicht so verbrecherisch wie das Dritte Reich.
Ich weiß nicht, wo Prof. Beleites von 1945 bis 1990 gelebt hat, dass ihm entgangen ist, dass die Konzentrationslager „Buchenwald“ sowie „Sachsenhausen“, „Jamlitz“ und „Torgau“ bis 1950 in Betrieb waren. Hier wurden systematisch Gegner der Zwangsvereinigung SPD-KPD zur SED vernichtet.
Es kommt einer Verhöhnung der Opfer gleich, dass dem Professor auch entgangen ist, dass es in Bautzen Ende der Vierziger- und Anfang der Fünfzigerjahre systematische Vernichtung von politischen Häftlingen gegeben hat, und es dürfte auch der letzte Sympathisant des DDR-Regimes bemerkt haben, wie aus den Veröffentlichungen der letzten zehn Jahre allgemein bekannt wurde, dass Hunderte von Menschen, mit und ohne Todesurteil, auf dem Boden der DDR ermordet beziehungsweise erschossen wurden. Es ist letztlich für die Getöteten unerheblich, ob sie aus rassischen Gründen oder aus politischen Gründen ihr Leben verloren haben und ob dies in der DDR oder im Dritten Reich geschehen ist.
Ich hoffe, dass Herr Prof. Beleites die Gelegenheit wahrnimmt, sich im Deutschen Ärzteblatt öffentlich bei den Opfern des DDR-Regimes für seine Äußerungen zu entschuldigen.
Dr. med. Jürgen Emmrich, Sulzbachstraße 21, 66111 Saarbrücken
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