ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2000Sloterdijk-Debatte: Wenig Erkenntnis

BRIEFE

Sloterdijk-Debatte: Wenig Erkenntnis

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): A-2096 / B-1777 / C-1587

Rauchfuss, Harald

Zu dem Beitrag „Dialog zwischen Medizin und Philosophie gefordert“ von Sibylle L'hoste und Prof. Dr. med. Wolfgang Müller-Holve in Heft 26/2000:
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LNSLNS Peter Sloterdijk nennt seine so genannte Ellmauer Rede ein „Scherzo zur methodisch gewordenen Grenzüberschreitung“. Die Verfasser zitieren W. Ch. Zimmerli, dass Sloterdijk nichts wesentlich Neues gesagt habe, und wundern sich, von Ärzten, Biologen und Biochemikern nichts zur Ellmauer Rede zu hören.
Wer hat die kompetentere philosophische Intuition – der Ellmauer Redner oder die dazu Schweigenden? Sloterdijk ist immer gut für Worthülsen, die, lebhaft vorgetragen, durchaus belustigen. Ich mag ihn wirklich. Lust braucht aber Performanz, die im dialektischen Wechsel mit Kompetenz spielt. Performanz und Kompetenz bedingen einander, führen die dialektische Wendeltreppe des Urteilsvermögens hinauf.
Sloterdijk gelingt es offen-sichtlich nicht, vor den Schweigenden Performanz zu zeugen: Ein Hauch von Kompetenz? Ich halte es nicht für mangelndes Ärzte- oder Biologen-Interesse an der Ellmauer Rede, schon gar nicht an philosophischen Fragen, wenn eine verwendete Terminologie zwar spirituelle Verführungskunst, aber wenig Erkenntnis verspricht, weder Kompetenz noch Performanz fördert, sondern nur geschwind in den Bann eines Zeitgeistes schlägt, mit dem der aufmerksame Leser nicht anders kann als ihn einfach abzuschütteln.
Dr. med. Harald Rauchfuss, Bahnhofstraße 38, 91413 Neustadt
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