ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2000Zur Stellung der deutschen Onkologie in Europa: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Zur Stellung der deutschen Onkologie in Europa: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(31-32): A-2113 / B-1734 / C-1582

Hossfeld, Dieter Kurt

zu dem BeitragZur Stellung der deutschen Onkologie in Europavon Prof. Dr. med. Dieter Kurt Hossfeldin Heft 11/2000
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LNSLNS Was Herr Dr. Neis zur Entwicklung neuer Arzneimittelstoffe in Deutschland sagt, ist kein Widerspruch zu dem, was ich schrieb, sondern eine Ergänzung. Die Kosten, die der forschenden Pharmaindustrie bis zur Zulassung eines Medikaments entstehen, sind bekannt. Mir kam es auf die Feststellung an, dass es in Deutschland zu wenige qualifizierte Institutionen gibt, die in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie originelle deutsche Entwicklungen in der Vorklinik und in der Klinik prüfen, sodass sich diese immer wieder veranlasst sah und sieht, solche Prüfungen in das europäische und außereuropäische Ausland zu geben, wo die Kosten kaum geringer sind, aber in angemessener Zeit verwertbare Resultate erwartet werden können. Der Beitrag von Frau Dr. Bausewein ist in erster Linie eine Selbstdarstellung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, deren Vorstandsmitglied sie ist. Ich habe nicht gesagt, dass Hospizen und Palliativstationen „Sterbekliniken“ sind. Ich habe vielmehr gefordert, dass die Palliation krebskranker Patienten nicht Anästhesisten, Hospizen und Sterbekliniken zu überlassen ist, weil Palliation einen integralen Aspekt des Berufs eines Onkologen darstellt. Dass es auf diesem Gebiet Defi-
zite gibt, bestreitet auch die Autorin nicht, und sie stimmt zu, dass Palliation von jedem Onkologen beherrscht werden muss.
Auf Großbritannien als Mutterland der Palliativmedizin wiederholt zu verweisen, ist fast makaber, weil laut der Eurocare-II-Studie die Resultate der Therapie krebskranker Patienten in England zu den schlechtesten in Westeuropa gehören. Es gibt keine Untersuchung zu der Frage, ob das damit zusammenhängt, dass in Großbritannien zu wenige in Palliation versierte Onkologen zur Verfügung stehen.
Ich habe mehrere Briefe erhalten und bin in den letzten Monaten von vielen Kollegen auf meinen Beitrag angesprochen worden – die Resonanz war durchweg positiv, was mich überrascht hat, hatte ich doch im Vorfeld erhebliche Kritik vernommen. Mit großer Befriedigung nehme ich zur Kenntnis, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung beschlossen hat, die Voraussetzungen für die Durchführung multizentrischer Studien in Deutschland zu verbessern und mit beträchtlichen Mitteln die Einrichtung von Koordinierungszentren für klinische Studien zu unterstützen.
Prof. Dr. med. Dieter Kurt Hossfeld
Abteilung Onkologie und Hämatologie
Universitätskrankenhaus Eppendorf
Martinistraße 52, 20251 Hamburg

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